Du bist hier:
· Home
· · Artikel




Eventide Prerelease Hamburg

Man kennt das ja: Solange man noch Student ist, hat man immer irgendwie Zeit für Magic, genauso, wie Raucher immer Geld für Zigaretten haben (das wäre vermutlich auch noch so, wenn der Preis für eine Schachtel Goyf-Regionen erreichen würde). Aber irgendwann ist es damit vorbei, und seit ich im letzten März zum Arbeiten aus der Nähe des schönen Hamburgs in das (überraschenderweise fast genauso) schöne Berlin gezogen bin, wurde es bei mir sehr ruhig um Magic. Erschwerend hinzu kam noch die Tatsache, dass ich praktisch niemanden aus der Berliner Community wirklich kannte. Und mit der neuen Freundin will man natürlich auch möglichst viel Zeit verbringen. Die Turniere, die ich in den letzten 15 Monaten hier in Berlin gespielt habe, kann ich jedenfalls an den Fingern einer Hand abzählen.

Doch wie wir alle wissen, sind Magic-Karten eine ähnlich starke Droge wie die eingangs erwähnten Glimmstängel, und so kam es, dass in meinem heimatlichen Urlaub am 18.7. das zweite Eventide-Prerelease auf dem Programm stand. Für mich sollte das Ganze eine Art "doppeltes" Prerelease werden, hatte ich doch seit dem Morningtide-Prerelease kein einziges Turnier mehr gespielt und daher Shadowmoor komplett verpasst. Zusammen mit mir machten sich noch folgende weitere tapfere Nordniedersachsen auf den Weg ins Spieleland Hamburg: Lorenz, Kersten und Thomas. In ausgiebigen Highlander-Runden in den Tagen vor dem Turnier konnte ich mich wieder etwas einspielen ("Wie war das nochmal mit dem Stack?"), und so ging es dann mit reichlich Zeit am Samstag früh los.

Die Anreise gestaltete sich allerdings komplizierter als geplant. Clever, wie wir nun mal alle sind, hatten wir kurzfristig beschlossen, den Stau auf der A1 zu umfahren, doch die allen Harburgern wohlbekannte W.burger R.straße war blöderweise gesperrt. Noch blöderweiserer erfuhren wir dies erst, als wir von der Schnellstraße abfahren mussten, und so wurden wir gezwungen, uns durch die Stadtteile Wilhelmsburg und Veddel, in denen Hasbros Magic-Umsatz mit Sicherheit unterdurchschnittlich ist, einen Weg in die City zu bahnen. Es kannte sich zwar keiner von uns aus, doch mit der guten "Fahr einfach den Schildern nach... oder dem da vorn, der will bestimmt auch in die Innenstadt"-Taktik gelang es uns, gerade noch rechtzeitig zum Öffnen des Produkts aufzukreuzen.

In meinem Pool befanden sich der blau-rote Mindwrack Liege (uärgh) sowie sein weiß-rotes Pendant Balefire Liege (schon wesentlich interessanter). Da ich zusätzlich 2 Flame Jabs hatte, gefiel mir die Combo "4 auf'n Kopp" für jedes Land und ein rotes Mana schon sehr gut. Rot-weiße Kreaturen waren allerdings Mangelware, ich hatte lediglich Duergar Assailant und Duergar Mine Captain. Trotz der "Gefängnisstrafe" (Prison Term) für "Wonniges Herumliegen" (Recumbent Bliss) - deutsche Kartennamen sind ja sowas von toll! - wollte mir Weiß nicht so recht gefallen. Rot war hingegen gesetzt, da ich zusätzlich zum Liege und den Flame Jabs noch Burn Trail und Flame Javelin hatte.

Ich schaffte es, in drei Boostern Eventide sage und schreibe 5 (in Worten: fünf!) Commons dreimal zu öffnen. Die spannendste davon war ohne Zweifel Nettle Sentinel, die zusammen mit einigen weiteren soliden Kreaturen für 2 und 3 Mana und dem roten Burn ein konsistentes Aggrodeck ergeben müsste. Am Ende sah das Ganze dann so aus:snakeform.jpg

3 Nettle Sentinel
1 Duergar Assailant
1 Riverfall Mimic
2 Shorecrasher Mimic
1 Hag Hedge-Mage
1 Hungry Spriggan
1 Duergar Mine Captain
1 Tattermunge Duo
1 Spawnwrithe
1 Noxious Hatchling
1 Canker Abomination
1 Slinking Giant
1 Balefire Liege
2 Flame Jab
1 Scar
1 Snakeform
1 Flame Javelin
1 Burn Trail
1 Elemental Mastery
9 Forest
8 Mountain

Die blau-grünen Mimics waren sicher unspektakulär, aber mit dem jeweils Zweiten sowie Snakeform hatte ich wenigstens eine theoretische Chance, die Jungs mal dick zu machen. Der blau-rote Mimic war hingegen wirklich nur als schlechte Aggrokreatur im 2-Mana-Slot da; ich habe diese sicherlich schwächste Karte meines Decks dann des öfteren mal gegen Old Ghastbark oder Juvenile Gloomwidow geboardet, aber diese dann nie gezogen.

Insgesamt war ich ganz zufrieden mit dem Deck. Es konnte gut früh Druck machen und hatte mit den Burnspells, dem Liege und Elemental Mastery Möglichkeiten, den Gegner auch im Lategame auszumachen. Ich erinnerte mich an Aussagen, dass Shadowmoor Sealed unendlich langsam gewesen sei, und hoffte daher, mit einem billigen Aggrodeck gut dazustehen (auch wenn ich schon ahnte, dass das Format durch Eventide schneller geworden war).

Ich spare mir, aufzuschreiben, wer den Würfelwurf gewonnen hat, denn das war in jeder der fünf Runden mein Gegner.

Runde 1
Mein erster Gegner saß beim Deckbau neben meinen drei Mitfahrern und hat ihnen dabei geschätzte 20-mal erzählt, wie schade es doch sei, dass er seinen Demigod of Revenge nicht in seinem monoweißen Deck spielen konnte. Müßig zu erwähnen, dass er dies auch mir ausgiebig mitteilte.
Mein Deck legte im ersten Spiel einen passablen, wenngleich nicht beeindruckenden Start hin, er ist aber mit einigen Kreaturen selbst ganz gut aufgestellt. Ein Fire at Will nimmt sich gleich zwei Angreifer (Spawnwrithe und einen Mimic) von mir zur Brust, und mir geht allmählich der Saft aus. Ich lege Balefire Liege, den er aber sofort mit Unmake entsorgt. Das war aus mehrerlei Gründen ärgerlich:
1. Ich hatte bereits einen Flame Jab auf der Hand.
2. Wäre der Liege in den Graveyard gewandert, hätte ich ihn mir mit Hag Hedge-Mage, den ich schon auf der Hand hatte, zurückholen können.
3. Es sollte das einzige Mal am gesamten Tag bleiben, dass ich den Liege zog. :-(
Es gelang mir, seinen Ballynock Trapper abzuschießen, aber wenig später gesellte sich dessen eineiiger Zwillingsbruder zu den anderen Viechern auf dem Board. "Wow, du hast zwei davon?" entfährt es mir, worauf mein Gegenüber nur grinsend meinte "Nö, ich hab sogar vier!" Auf meine Nachfrage, ob einer davon foil wäre, antwortete er nur "Nö, ich hatte drei in einem einzigen Booster!" - "Judge...?"
Mein Gegner wurde gebeten, solche Auffälligkeiten bitte in Zukunft zu melden, und er sollte von da an nur drei Exemplare spielen. Ich glaube ihm zwar, dass er da nicht gecheatet hat, aber meine Laune hat dieses Intermezzo eher nicht verbessert.
Zurück zum Spiel: Da meine Kreaturen schließlich noch ein wenig wonnig herumlagen und von einem Tapper aufgehalten wurden, gelang es mir nicht, seine Lebenspunkte unter 15 zu drücken, als er Divinity of Pride ausspielte. Der ist mit einem Aggrodeck ohnehin schwer zu racen, und unter diesen Umständen ging es eben einfach nicht. Sobald der dicke Mann auf 8/8 angewachsen war, gab ich lieber auf, ich wollte ja noch zwei Spiele gewinnen.
Im zweiten Spiel folgte allerdings blanke Ernüchterung: Bis Runde 6 hatte ich genau zwei Kreaturen gezogen - vielleicht hätte ich doch Mulligan nehmen sollen... Mein Gegner bedankte sich mit einem Turn 5-Divinity of Pride. So macht man's.

Als ich leicht gefrustet zusammenpackte und mir noch mal anhören durfte, wie unendlich ärgerlich es doch war, dass mein Gegner seinen Demigod in seinem auch so superstarken Deck nicht spielen konnte, meinte er noch anerkennend zu mir, dass der Spawnwrithe ja echt stark wäre. Wow, ich spiele eine gute Karte in meinem Deck! Cool! Immerhin gewannen meine drei Mitfahrer allesamt die erste Runde.

Runde 2
Mein Gegner spielt anscheinend komplett dreifarbig WGR und legt Turn 3 immerhin die Figure of Destiny. Mehr als einmal Digitieren ist aber nicht drin, ich entsorge das potentielle Monstrum lieber schnell mit Flame Javelin. Selbigen hole ich mir dank Hag Hedge-Mage zurück. Als er gerade drauf und dran ist, sich zu stabilisieren, lege ich Elemental Mastery auf Slinking Giant und komme ihn mit vier hastigen Würsten (und noch ein oder zwei weiteren Viechern) besuchen. Die nächste Runde wiederhole ich das Ganze, um seine Lebenspunkte auf deutlich einstellige Werte zu reduzieren, sodass ich ihn gemütlich mit Burn Trail und Flame Javelin ausbrennen kann.
Im zweiten Spiel beginnt er stark mit First-Turn Figure of Destiny. Nicht ganz so stark waren allerdings die Forests in Runde 2 und 3... So entscheidet er sich schweren Herzens, sein 2/2-Digimon gegen eine meiner beiden Nettle Sentinels abzutauschen. Sein leeres Board gefällt meinem Turn 4-Canker Abomination natürlich ganz ausgezeichnet, und er ist auch ziemlich schnell darauf kaputt.

Runde 3
Ohne Zweifel eines der seltsamsten Matches meiner Turnierlaufbahn. Ich lege in Spiel 1 einen guten Start hin, aber mein (erneut monoweißer) Gegner hatte nicht nur drei Fire at Will, er macht mir das Leben auch mit Recumbent Bliss, Ballynock Trapper und Hearthfire Hobgoblin sehr schwer, da ich kein Removal ziehe. Insbesondere der Doublestriker macht mir das Angreifen praktisch unmöglich. Wir gucken uns beide rundenlang nur mit jeweils drei Kreaturen an, da wir anscheinend beide nur Länder ziehen, und amüsieren uns schon, wie seltsam das Spiel verläuft. Mir ist nicht sehr wohl dabei, denn mir ist klar, dass mein Deck im Lategame vermutlich die im wahrsten Sinne schlechteren Karten hätte. Irgendwann ziehe ich eine Snakeform und traue mich dann, anzugreifen, aber sein zweites Fire at Will sorgt dafür, dass sein Board nach dem Gemetzel deutlich besser aussieht. Danach hat er einfach die besseren Kreaturen und die besseren Antworten.
Spiel 2 beginnt genau wie das erste - mit einer Nettle Sentinel von mir. Er hat allerdings Turn 1 Rhys the Redeemed und fängt schon an, sich Token zu bauen. Bevor die Token zu zahlreich werden, schieße ich Rhys lieber mit Flame Javelin ab. Mein Gegner lacht kurz und kann mit dem Tausch offensichtlich gut leben. In meinem nächsten Drawstep ziehe ich Flame Jab - argh. Nach ein wenig frühem Schaden meinerseits schafft er es ganz gut, sich mit Trades zu stabilisieren. Meine beiden dicken Dinger Slinking Giant und Canker Abomination werden beide mit Recumbent Bliss abgestellt - blöd. Nach etlichem Abgetausche ziehe ich schließlich Spawnwrithe, der einsam das Board betritt. Mein Gegner, mittlerweile auf 28 Leben, gibt den Zug ohne Play ab. Da er noch kein einziges Fire at Will gespielt hat, bin ich sicher, mit meinem Spawnwrithe genau in eines hineinzulaufen, greife aber trotzdem an, denn was sonst hätte ich tun sollen? Und oh Wunder, der Ablaicher schlängelt sich ungehindert zu ihm durch und bringt einen Kumpel mit! Die nächsten beiden Draws bescheren meinem Gegner jeweils - Fire at Will! Er fühlt sich davon mit Sicherheit leicht veralbert, kann aber immerhin jeweils einen Spawnwrithe abknallen. Die restlichen Viecher werden allerdings so zahlreich, dass er schließlich keine Antwort mehr findet. In seinem letzten Drawstep fängt er dann an, reichlich Karten von oben zu revealen. "Hallowed Burial?" frage ich, scherzhaft gemeint - bis er mir genau jene Karte zeigte. Eieiei, das Ding hat er auch noch...
Immer noch leicht fassungslos, wie ich Spiel 2 einzig und allein mit Spawnwrithe gewonnen habe, schaue ich auf meine Starthand für das Entscheidungsspiel - ein Land. Also Mulligan genommen - ein Land. Meine 5-Karten-Hand ist dann aber mit 2 Ländern, Nettle Sentinel, Shorecrasher Mimic und Tattermunge Duo alles andere als übel. Trotzdem rechne ich mir gegen das starke Deck meines Gegners nach Mulligan auf 5 keine Siegchancen aus. Als er sich darüber beschwert, dass ich zum dritten Mal mit Nettle Sentinel beginne, kann ich noch müde darüber lächeln. Über den Shorecrasher Mimic ist er auch nicht glücklich. Als dann Turn 3 das Tattermunge Duo dazu kommt, rastet mein Gegner fast aus, und ich werde hellhörig. Sollte sein Draw so schwach sein, dass ich ihn einfach umrennen könnte? Er legt dann erstmal Silkbind Faerie, was mich wiederum ernüchtert, da ich kein Removal dafür habe. Meinen nachgelegten Duergar Mine Captain blockt er allerdings mit der Faerie, die beiden tauschen sich ab, und nächste Runde spielt er Hallowed Burial, obwohl ich nur eine Kreatur mehr habe als er. Er zieht nach dem Wrath ein Land nach dem anderen, ich hatte ein paar Viecher und boxe ihn einfach um.

Mein Gegner war entsprechend verärgert, was ich gut nachvollziehen kann. Selten hatte ich das Gefühl, ein Match so unverdient gewonnen zu haben. Er meinte dann nur zu mir "Mach was draus, du kannst ja am wenigsten dafür!" Ich gelobte, seinem Rat zu folgen.

Runde 4
Endlich mal wieder ein monoweißer Gegner! Lorenz spielte übrigens auch monoweiß, die Farbe kann so schlecht also nicht sein im Format. Unfassbar.
Ich habe einen guten Start, bin aber leicht gescrewed. Als ich endlich das vierte Land ziehe, kann ich Burn Trail spielen, ihn auf wenig Leben schlagen und mittels Hag Hedge-Mage den Burn Trail recyclen. Damit gewinne ich dann.
In Game 2 fange ich mit zwei Nettle Sentinels an. Er hat Turn 2 Safehold Sentry, aber kein drittes Land. Ich biete ihm zweimal einen Tausch mit meinen Sentinels an, er verweigert den aber und geht in meinem dritten Zug deshalb schon auf 14. Ich gebe den Zug ab, er zieht das dritte Land und wähnt sich nun anscheinend sicher genug, anzugreifen - immerhin habe ich ja nur zwei getappte Kreaturen. Damit tut er mir einen gigantischen Gefallen, denn ich habe Snakeform am Start. Er meint lapidar "Ok, dann kriegst du einen", aber nachdem ich ihn darauf hinweise, dass meine Sentinels enttappen und ich zu blocken gedenke, guckt er etwas blöd. Dadurch habe ich genug Tempovorteil, um das Spiel sicher nach Hause zu bringen.

Unser Auto steht nun in seiner Gesamtheit 12-4, soll heißen, dass wir allesamt 3-1 stehen. Es kommt allerdings "nur" zu einem Duell untereinander zwischen Lorenz und Kersten.

Runde 5
So schnell gewinnt man 2-0: Mein Gegner ist im ersten Spiel mit seinem GW-Deck flooded, während ich eine gute Kurve hinlege und ihn einfach überrenne. Im zweiten Spiel ist er gescrewed und hat Runde 4 weder ein drittes Land noch eine Kreatur, und gefrustet gibt er auf. Mann, bin ich ein Pro...

So stehe ich 4-1 und schaue Thomas zu, wie er meinen Gegner aus Runde 1 mit seinem RW-Deck niedermetzelt und wie Lorenz sich gegen Kersten durchsetzt, der im dritten Spiel colorscrewed ist und deshalb sein Incremental Blight nicht spielen kann. Damit ist Kersten mit 3-2 der einzige von uns, der nicht 4-1 steht. Wir werden damit 3. (Thomas), 4. (Lorenz), 5. (ich) und 7. (Kersten) - die Mannschaftswertung dürften wir damit bei 24 Teilnehmern gewonnen haben. Wie sich später am Abend beim Boosterduell herausstellt, hat Thomas in seinen Preisboostern gleich zwei der neuen Filterländer (genauso wie Kersten in seinem Sealed Pool!), ich hingegen nur Schmand - die Welt kann ja so ungerecht sein.

Doch damit nicht genug! Da wir schon mal da waren, hängten wir noch einen Triple-Eventide-Draft an. Insgesamt 12 Spieler scharten sich um zwei Tische, während die andere Hälfte des Raumes mit Legacy-Spielern bevölkert wurde. Alle reden davon, sich "die unendlichen Mimics reinzudrainen", und vor meinem geistigen Auge spielen sich Szenen wie in grausigen Coldsnap-Drafts ab... Ich halte mich für keinen guten Drafter, mein relativ hohes Limited-Rating ist auf brokene Sealed-Pools und eine Menge Glück zurückzuführen. Dementsprechend war ich während des folgenden Drafts auch vollkommen überfordert.

Der Draft fängt mit einem relativ einfachen Firstpick an: Recumbent Bliss ist gutes, splashbares Pseudo-Removal in der anscheinend ohnehin stärksten Farbe. Als zweiter Pick kommt gleich das zweite Exemplar hinzu - prima! Danach kommt die recht starke Rekindled Flame, die zwar wohl nie wiedergeholt wird, aber 4 Schaden für 4 Mana finde ich auch ohne Extras nicht verkehrt. In einem unspektakulären Booster nehme ich dann Scourge of the Nobilis, in der Hoffnung, Pommes-Schranke draften zu können. Als ca. sechsten Pick bekomme ich allerdings Dominus of Fealty - blau-rot scheint also offen zu sein. Ich sammle die Rare-Bombe ein, und zwei späte Riverfall Mimics überzeugen mich, komplett UR zu draften. Leider sollten es die letzten Mimics bleiben, und zwar nicht, weil jemand anders sie sich schnappte, sondern weil einfach keine mehr geöffnet wurden.

Im zweiten Booster lächelt mich wieder Recumbent Bliss an. Drei Stück sind sicher auch kein schlechter Splash... Allerdings kommen neben sehr unbeeindruckenden UR-Karten noch Fire at Will und Hearthfire Hobgoblin vorbei, was mich doch wieder in Richtung RW treibt. Ein später Ballynock Trapper ist noch ein weiteres Argument. Dennoch laufen sehr viele späte UR-Karten rum, da ich der einzige am Tisch bin, der sie nimmt, und ich habe keine Ahnung, ob ich vielleicht sogar dreifarbig spielen möchte.

Im dritten Booster habe ich mich dann doch auf URw eingeschossen und picke entsprechend; ein viertes Recumbent Bliss kann ich aber doch nicht weitergeben. Meine Überforderung sollte sich beim Deckbau fortsetzen; ich hatte zwar um die 30 Playables, aber nur etwa 10 davon fand ich so richtig überzeugend. Meinen "Splash" von 4 Recumbent Bliss und dem Ballynock Trapper wollte ich nicht aufgeben, diese Karten würden aber mindestens 4 Plains erfordern, was natürlich meinen Dominus of Fealty entsprechend schwächer machen würde... Schlussendlich entschied ich mich für folgende Liste:cloutofthedominus.jpg

7 Island
7 Mountain
4 Plains
2 Riverfall Mimic
1 Crag Puca
1 Noggle Hedge-Mage
1 Noggle Bandit
2 Dream Thief
1 Sturdy Hatchling
1 Hatchet Bully
1 Ballynock Trapper
1 Dominus of Fealty
1 Nucklavee
1 Clout of the Dominus
1 Flame Jab
2 Snakeform
4 Recumbent Bliss
1 Puncture Blast
1 Rekindled Flame

Keine Frage, die Spells waren gut, und der Dominus hat so ziemlich den Allerlängsten, aber nur 12 Kreaturen, die ich größtenteils recht unbeeindruckend fand, stimmten mich nicht gerade hoffnungsfroh. An nennenswerten Sideboard-Karten hatte ich noch 4 Banishing Knack, Fiery Bombardment, Fire at Will, Hearthfire Hobgoblin und Noggle Bridgebreaker, den ich total unterschätzt hatte und später immer gegen Sturdy Hatchling reinboardete. Den Hobgoblin hätte ich mit meiner Manabase vermutlich unterstützen können und hätte daher gespielt werden sollen. Fire at Will hingegen schien mir angesichts meiner bereits en masse vorhandenen Removal-Spells etwas zu klobig und unzuverlässig in meinem Deck, und ich hatte keine Untap-Effekte, um Banishing Knack wirklich abusen zu können. Außerdem war mein Deck eh schon mit Spells vollgestopft, es brauchte Viecher! Das war auch der Grund, warum ich Fiery Bombardment nicht spielte, obwohl das falsch gewesen sein mag. Aber ich wollte einfach keine Karte spielen, die noch eine meiner gerade mal 8 roten Kreaturen und zwei Mana benötigte, um überhaupt irgendwas zu machen.

An dieser Stelle sei gesagt, dass ich dazu neige, meine Draftdecks deutlich zu unterschätzen, so auch dieses Mal. Dass ich 10 Removals, zwei weitere Kreaturen, die quasi als Removal durchgehen (Ballynock Trapper und Hatchet Bully) und eine Rare-Bombe erster Kajüte hatte, sah ich in diesem Moment nicht, mir gingen nur die vermeintlich "wurstigen" Kreaturen wie Noggle Bandit, die ja auch gar nicht schlecht ist, auf den Keks. Da ich ja für meine beiden Dream Thieves nie eine Karte ziehen würde, fand ich sie auch reichlich suboptimal und erinnerte mich einfach nicht daran, dass Dusk Imp im Odyssey Draft zurecht ein verdammt früher Pick war. Gut, das Mana war schlecht, aber mit 18 Ländern wurde dem potentiellen Colorscrew ja auch etwas entgegengewirkt.

Runde 1
Mein mir wohlbekannter Gegner Jonathan hatte am Nebentisch genau wie ich URw gedraftet und hatte eine Menge Karten, die mir aus meinem Deck bekannt vorkamen. Allerdings spielte er seine 3 Noggle Bridgebreaker im Maindeck, was mich dazu bewog, mein Exemplar immer hineinzuboarden. Being the Pro that I am, lege ich Turn 5 einfach mal Dominus of Fealty, den er mit Recumbent Bliss nur teilweise handlen kann. Obwohl er sich tapfer wehrt, ist das kontinuierliche Threaten schließlich zuviel für ihn. Das geht ja ganz ausgezeichnet los.
Im zweiten Spiel habe ich den Dominus nicht am Start, und er ballert mir mit Flame Jab und Fiery Bombardment, die natürlich ganz besonders gut mit meinen beiden Recumbent Blisses harmoniert, ganz kräftig was um die Ohren. Schließlich haut er mich kaputt.
Als wir für Spiel 3 mischen, kommt die Ansage, dass nur noch 3 Minuten auf der Uhr sind. Ich kann das zwar nicht ganz glauben, wir boarden aber beide flott auf den Aggro-Plan um und spielen entsprechend schnell. Ich habe zwar Kreaturen für die Züge 2 und 3 und ein Recumbent Bliss, um etwaige Blocker aus dem Weg zu räumen, aber Jonathan hat den wesentlich schnelleren Start und ich bin nur noch in der Defensive. Meine einzige Hoffnung ist schließlich, mich ins Unentschieden zu retten, und das klappt auch, wenn auch nur knapp.

Runde 2
Es geht gegen Lorenz, der mal wieder bei den weißen (und einigen schwarzen) Karten gelandet und etwas genervt ist, dass er die erste Runde knapp verloren hat. Immer noch davon überzeugt, dass mein Deck schwach ist, sage ich ihm, dass er diese Runde mehr Glück haben wird.
Wir starten beide ganz passabel und racen ein wenig. Ich habe ihn schon auf 8 Leben, als er Spirit of the Hearth legt. Das ist gar nicht mal so gut für meinen Puncture Blast, mit dem ich ihn eigentlich ausbrennen wollte. Achja, so ein 4/5-Flieger ist natürlich auch nicht ganz verkehrt. Ich ziehe von oben zum Glück Recumbent Bliss und spiele es auf den dicken Mann. Nach meinem Angriff mit Dream Thief und Noggle Bandit geht Lorenz auf 4. Er kann allerdings auch gut von oben ziehen und legt Flickerwisp, die seinen Spirit of the Hearth ausphasen lässt. Nach langer Überlegung und einem Angriff, der mich auch schon ziemlich in den Seilen hängen lässt, gibt er den Zug ab und ich hoffe einfach darauf, dass er keine Möglichkeit mehr hat, meinen Noggle Bandit zu handlen, denn am Ende seiner zweiten Mainphase ballere ich ihm Puncture Blast auf den Kopp, wodurch er auf 1 geht. Zum Glück hat er keine Antwort auf Noggle Bandit.
Spiel 2 fangen wir beide beeindruckend an, er mit zwei Nightsky Mimics in Turn 2 und 3, ich mit Riverfall Mimic in Turn 2 und Clout of the Dominus in Turn 3 - "Wie, der hat Shroud?!" (Zu schade, dass Andreas Schraut an dem Tag nicht da war.) Außerdem habe ich Turn 3 noch Flame Jab auf einen seiner Mimics - und bin natürlich so dämlich, eine zweite Island statt einem zweiten Mountain zu legen, weshalb ich den zweiten Mimic nicht sofort mittels Retrace abschießen kann! Dieser Fehler kostet mich vermutlich das Spiel, denn Lorenz hat Beckon Apparition, als ich den Mimic übernächste Runde mit Flame Jab abschießen will, um ihn zu retten. Insgesamt haut mich der Mimic noch zweimal in der Luft für 4, und ich sterbe mit 4 Ländern im Spiel und dem Dominus auf der Hand. Hätte ich den Mimic gleich erlegt, hätte ich vielleicht noch genug Zeit gehabt, um den Dominus zu spielen und mit ihm zu gewinnen. Tja, selbst schuld.
In Spiel 3 sind wir beide nach Mulligan mit unseren 6 Karten unzufrieden und legen bis Runde 5 nur immer ein Land und sagen "go". Blöd, dass meine 5 Länder 3 Plains und 2 Islands sind und ich Hatchet Bully, Rekindled Flame und den Dominus auf der Hand habe... Lorenz fängt an, sich mit Cenn's Enlistment immer mehr und mehr Token zu bauen und mich damit langsam niederzumetzeln. Ich ziehe schließlich meine fünfte Insel (immer noch kein Mountain) und lege dann den Dominus. Damit hole ich mir seinen nachgezogenen Smoldering Butcher, greife damit an und lege dann Recumbent Bliss drauf. Die Lebenspunkte sind auch bitter notwendig, da mich seine Token bis auf 3 Leben runterprügeln, allerdings kann ich immer noch ein paar Viecher nachlegen (dank eines Mountains sogar Hatchet Bully), sodass ich seine Angreifer langsam aber sicher dezimieren kann. Mit frühem roten Mana hätte ich jetzt die tolle Aktion machen können, mir einen Token mit dem Dominus zu klauen, damit anzugreifen und mit Hatchet Bully gleich zwei Token auf einmal abzuräumen - aber es hat nicht sollen sein. Mein Nucklavee bringt mir eine Snakeform zurück, Lorenz legt noch Kithkin Spellduster, womit er meine Recumbent Bliss auf Smoldering Butcher entsorgen könnte, aber meine Gegenangriffe zusammen mit der Snakeform reichen, um mich das Spiel auf 1 Leben gewinnen zu lassen.

Lorenz erzählt mir daraufhin erstmal, dass mein Deck doch supergut sei und er überhaupt nicht verstehe, warum ich so rumjammern würde. Aus irgendeinem Grund glaube ich es ihm aber nicht.

Runde 3
Ich treffe auf den wohl einzigen Spieler, der UG gedraftet hat. Sein Shorecrasher Mimic mit Favor of the Overbeing ist zwar beeindruckend groß, kann aber mit Recumbent Bliss gut abgestellt werden. Ich habe das deutlich bessere Board und noch 2 weitere Blisses auf der Hand. Meinen Ballynock Trapper kann er ohne Removal nicht handlen, da nützt ihm auch seine Talara's Batallion nicht viel. Ich laufe nie in Gefahr, das Spiel zu verlieren.
In Spiel 2 ein ähnliches Bild, ein Dream Thief in Turn 3 greift 6mal an, und alles, was er auf den Tisch legt, wird mit Removal abgestellt. Etwa zu dieser Zeit erinnere ich mich daran, dass Dusk Imp ja gut war und muss Lorenz langsam aber sicher doch Recht geben. Er hat wieder den Mimic mit Favor of the Overbeing, aber gegen meine Armada von Recumbent Blisses reicht es hinten und vorne nicht, zumal er in beiden Spielen sehr viele Länder zieht.

Nebenan heißt es in Runde 3 Lorenz gegen Thomas. Thomas hat seine neue Lieblingskarte, einen Belligerent Hatchling, mit 2 Marken und Scourge of the Nobilis am Start und greift an (Trivia: Das Artwork ist offensichtlich von der Simpsons-Episode, in der Bart bei Mr Burns wohnt, inspiriert. Denn es zeigt einen Hund mit Bienen im Maul, der beim Bellen Bienen spuckt, genau wie die Hunde, die Mr Burns auf Homer hetzt.). Lorenz blockt nicht, und plötzlich gibt es Double Cleave auf den Wauzi - 16 in den Mund für Lorenz, 16 Lifegain für Thomas. Stylish. Thomas gewinnt und hat dann mit mir das Vergnügen.
Kersten steht zu diesem Zeitpunkt als Einziger 3-0 und darf gegen Jonathan ran. So richtig gut schien mir sein Deck gar nicht zu sein, deshalb bin ich etwas verwundert über das Ergebnis. Allerdings hat er 3 Nip Gwyllion und 2 Edge of the Divinity und kann anscheinend recht konstant mit einem 4/4-Lifelinker in Runde 2 angreifen - das kann natürlich einiges. Außerdem hatte er Divinity of Pride, der natürlich auch gern mal gewinnt - insbesondere, wenn man dank 4/4-Lifelinkern ab Runde 2 meist auf über 25 Leben ist, wenn man ihn ausspielt.

Runde 4
Die letzte Runde gegen Thomas gestaltet sich relativ unspektakulär. Er zieht mit seinem WR-Aggrodeck in beiden Spielen wenige Kreaturen, ich dafür aber mehr als genug Removal. Damit habe ich kein Problem, ihn in beiden Spielen recht gemütlich zu verdreschen.

Ich schaue dann noch Lorenz zu, der von einem BW-Mann mit Stillmoon Cavalier geknechtet wird. Das dritte Spiel erlebe ich in seiner ganzen Pracht, und irgendwie lief es wie gemalt gegen Lorenz, der den Draft mit einem deprimierenden 0-4 abschloss. :-(

Mit 3-0-1 bin ich punktgleich mit Jonathan, meinem Gegner aus der ersten Runde. Die Tiebreaker sprechen für ihn, er möchte als ersten Pick lieber ein WB-Land als Talara's Battalion, die ich einsammle und sofort bei meinem Sealed-Gegner der ersten Runde gegen einen Demigod of Revenge (zu schade aber auch, dass er ihn nicht spielen konnte!) und 5 ¤ eintausche. Außerdem bekomme ich noch Deity of Scars, die sofort in mein Beast Rock-Highlander geforct wird, und Bloom Tender, den man hoffentlich noch gewinnbringend vertauschen kann. Kersten bekommt als Highlight ebenfalls eine Fetid Heath und Thomas darf sich über Figure of Destiny freuen.

Der Tag endete dann entspannt und lustig mit einer spätabendlichen Highlander-Runde, und ich weiß wieder, warum Magic so wunderbar ist.

Props:
+ Tolles Mannschaftsergebnis im Sealed
+ Freundliche Gegner, entspannte Atmosphäre
+ jede Menge Spaß gehabt und meine Liebe zum Spiel wiederentdeckt

Slops:
- Man kann Demigod of Revenge nicht in ein monoweißes Deck splashen.
- Die Location im fast fensterlosen und ungelüfteten Keller hat sich in meiner Abwesenheit nicht gebessert.
- 0-4-Performance von Lorenz

Geschrieben von Trantor



Artikel:

carbone21 - 18.08.08 - 11:58


Mitglied seit
24.05.02

Gästebuch 
Man kann Demigod of Revenge nicht in ein monoweißes Deck splashen!!!


Wichtig ist, dass du immer im Hintergrund die Goblintrommel hörst, mit dem ZoZu und den ganzen anderen Flunkies. Das fette Schiff, mit der riesigen Kanone vorne und dem fetten Afterburner hinten. Und lauter Sounds.

SchnickSchnack - 18.08.08 - 15:10


Mitglied seit
04.11.06

Gästebuch 
Absolut gut zu lesender Artikel.
Hat mir sehr gefallen und mit ungelüfteten, fensterlosen kellern hab ich auch so meine Erfahrungen. ^^


Mother north - United we stand,together we walk
Phantom north - I'll be there when you hunt them down


Sandmann - 23.08.08 - 12:51


Mitglied seit
25.02.04

Gästebuch 
Schöner Bericht!
Jolem - 23.08.08 - 18:25


Mitglied seit
19.03.02

Gästebuch 
Ein schöner Artikel zu einem schönen Tag - und die Aktion mit dem 8/8 lifelink Wauzi mit doublestrike werde ich nie vergessen...

vor allem weil ich damit Lorenz auf Jahre hin knechten kann

Letzte Änderung: 23.08.08 - 18:27


Cna yuo raed tihs? Olny 55% of plepoe can.
I cdnuolt blveiee taht I cluod aulaclty uesdnatnrd waht I was rdanieg. The phaonmneal pweor of the hmuan mnid, aoccdrnig to a rscheearch at Cmabrigde Uinervtisy, it dseno't mtaetr in waht oerdr the ltteres in a wrod are, the olny iproamtnt tihng is taht the frsit and lsat ltteer be in the rghit pclae. The rset can be a taotl mses and you can sitll raed it whotuit a pboerlm. Tihs is bcuseae the huamn mnid deos not raed ervey lteter by istlef, but the wrod as a wlohe. Azanmig huh?



Kommentar hinzufügen

Nur angemeldete Benutzer können Kommentare schreiben.