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Grand Prix Malmö - ein Judgebericht

214Herzlich willkommen zu einer weiteren Episode von "Ein Streifenhörnchen reist um die Welt". Der Bericht der Pro Tour Prag fiel leider aus, aber in dieser Sommerausgabe gibt es dafür umso mehr Interessantes.

Grand Prix Malmö fing für mich bereits eine Woche vorher an, mit zahlreichen Diskussionen im IRC und auf der Schiedsrichter-Mailingliste über die beste Methode, Spiele zu reparieren, in denen ein Spieler Upkeep-Effekte wie Cumulative Upkeep oder Recover vergessen hatte. In Malmö sollte Ravnica-Sealed gespielt werden und Coldsnap-Draft am Sonntag, und alle Schiedsrichter stellten sich darauf ein, Situationen dieser Art durchaus "live" zu erleben.

Am Freitagmittag wurde es ernst: Mit dem Zug fuhr ich nach Stralsund, von dort mit dem Auto und vier Bekannten nach Sassnitz, dann mit der Fähre nach Trelleborg und das letzte Stück nach Malmö. Die obligatorischen Roadtrip-Geschichten spare ich mir an dieser Stelle. Dass wir auf der Fähre natürlich Magic gespielt haben, versteht sich von selbst, und dass das übliche trashtalking nicht ausblieb, ist auch klar. Gegen elf Uhr nachts kamen wir in Malmö an und meine Mitfahrer (vier tapfere Mecklenburger, die auf dem Grand Prix spielen wollten) luden mich an meinem Hotel ab. Ich wußte schon im Voraus vom großen Pluspunkt des Hotels: Es liegt direkt neben der Location für den Grand Prix selbst. Die großen Minuspunkte wurden leider noch während der Nacht von Freitag auf Samstag klar: Etagenbetten in winzigen Zimmern ohne funktionierende Klimaanlage - ein offensichtlicher Fehlgriff von den Wizards-Offiziellen, welche die Schiedsrichter auf vorherigen Grand Prix schon des Öfteren mit Hotels wie dem Hilton oder Sheraton beglückt hatten. Auf meinem Zimmer wohnten ausser mir noch Tom Ribbens (Level 1 aus Belgien) und Jaroslaw Karban (Level 1 aus Tschechien). Die Nacht war kurz: Ausser dass wir drei uns noch recht lange über diverse Magic-Themen unterhielten, machte es sich unangenehm bemerkbar, dass die direkt nebenan liegende Location für den Grand Prix auch Malmös größten Nachtclub beherbergt - dementsprechend lange war es auf der Straße unter unserem Fenster laut.

Freitag
Nach der zu kurzen Nacht und einem Frühstück mit deutlich zu wenig Auswahl trafen sich alle Schiedsrichter um halb Acht zum großen "Briefing", auf dem wir unter anderem unsere Aufgaben für den ersten Tag des Grand Prix zugewiesen bekamen. Ich wurde in das Team "Logistics" eingeteilt, mein Team Leader war George Michelogiannakis (kurz: "George M."), Level 3 aus Griechenland. George war in Prag Mitglied des Teams gewesen, das mir den Level-3-Test abgenommen hat, und auf einigen Grand Prix vorher hatte ich auch schon mit ihm gearbeitet. Das Team Logistics ist ein Springer-Team, das während des Grand Prixs überall dort aushilft, wo andere Teams gerade hilfe brauchen. Unsere primären Aufgaben bestanden darin, zuerst Booster und Starterpackungen für die 500+ Spieler zurechtzulegen und zu verteilen. Während der Runden sollten wir hauptsächlich zwischen den Tischreihen patroullieren und Fragen von Spielern beantworten. Das Team hatte insgesamt 7 Schiedsrichter, davon zwei Level 1 und einen Level 0, also alles in allem ein eher unterdurchschnittlich erfahrenes Team. George hatte mich angewiesen, während des Tages ein Auge auf einen der Level 1 zu haben und diesem später Feedback darüber zu geben, wie er sich verbessern könnte.

Nachdem die Registration geschlossen wurde und unser Team schnell noch die hinteren Tische umnummerieren musste, weil sich mehr Spieler angemeldet hatten, als kalkuliert worden war, konnten wir um 10:15 Uhr Produkt für 539 Spieler austeilen. Mit 539 Spielern standen 8 Runden Sealed am Samstag an, dann Cut auf Top 64 für Sonntag. Während der Zeit für die Deckregistration und für den Deckbau gab es die üblichen kleinen Probleme mit Spielern, die nur 74 Karten registriert hatten oder beim Registrieren in einer Zeile auf der Deckliste verrutscht waren - 50 Minuten und einige Warnings später konnte Runde Eins des Grand Prix ohne größere Verzögerung beginnen.

Schon während dieser ersten Runde stöhnten Spieler und Schiedsrichter unter der enormen Hitze, die in der Halle herrschte - wir wurden daran erinnert, auf jeden Fall genug zu trinken, um den Tag heil zu überstehen. Gut, dass für die Schiedsrichter an zwei Ecken der Halle kostenlose Wasserspender aufgestellt worden waren (natürlich nicht für die Spieler, hihi) und unser Fresspaket zusätzlich noch isotonisches Zeugs enthielt.

In Runde Eins half ich dem Team "Deckchecks", Decklisten zu prüfen. Wie üblich gab es einige Spieler, die nicht bis 40 zählen konnten und Decklisten mit 39 gelisteten Karten abgegeben hatten, und welche, die vergessen hatten, die gespielten Basisländer zu registrieren. Insgesamt gab es etwas über 20 Listen mit Problemen. Die Prüfung der Decklisten dauerte bis zu Beginn von Runde Drei, dann konnten wir damit anfangen, die entsprechenden Strafen an die Spieler zu vergeben - normalerweise ein Game Loss für "illegal mainboard list".

Da eine chronologische korrekte Beschreibung der kompletten acht Runden langweilig und wenig informativ wäre, werde ich jetzt in loser Reihenfolge aufschreiben, was so an interessanten Situationen aufkam.

Spieler A bekommt ein Game Loss für "illegal main decklist", weil er nur 39 Karten registriert hat. Jedoch fängt er an, sich darüber zu beschweren und startet einen Appeal an den Head Judge (das Recht eines jeden Spielers), weil er sagte, er habe extra um dies zu verhindern den Schiedsrichter seine Liste schon einmal zählen lassen, als er die nach dem Deckbau abgegeben hat. Mein Ruling war, dass dies zwar unglücklich gelaufen ist, aber nichts daran ändert, dass er ein Game Loss bekommt: Nicht der einsammelnde Schiedsrichter, sondern der Spieler ist dafür verantwortlich, dass die Deckliste in Ordnung ist. Der Head Judge (Lubos Lauer aus Tschechien) sah das genau so und lehnte es ab, an meinem Ruling etwas zu ändern.

Warum der Schiedsrichter überhaupt die Liste beim Abgeben gezählt hat, weiß ich nicht: Wie gesagt ist der Spieler selber dafür verantwortlich, eine legale Liste abzugeben, und ausserdem kann so etwas leicht dazu führen, dass plötzlich alle Spieler ankommen und ihre Liste auch überprüft haben wollen - mehr Arbeit für die Schiedsrichter, mehr Verzögerungen, weniger Eigenverantwortung, insgesamt total kontraproduktiv also.

Spieler B und C sind im dritten Spiel, rufen mich an den Tisch und zeigen mir einen Golgari Rotwurm, den B eben gezogen hat. "Das ist nicht meiner" sagt er und erklärt, dass er den einen Rotwurm, der in seinem Deck sein sollte, schon vorher gezogen hat. Nach kurzer Untersuchung fand ich heraus, dass beide Spieler die gleichen Hüllen benutzen und C auch einen Rotwurm im Deck haben sollte. Nach Spiel 2 ist der Rotwurm wohl irgendwie beim Mischen in das falsche Deck geraten. Interessant ist das Ganze natürlich deshalb, weil so beide Spieler zu Beginn des dritten Spiels ein illegales Deck präsentiert hatten (eines mit nur 39 Karten und eines mit einer Karte, die nicht dahin gehört) und jeweils ein Game Loss verdient haben. Nur: Wenn es schon 1-1 steht und beide Spieler ein Game Loss bekommen, was passiert dann? 2-2 und es wird ein weiteres Spiel gespielt, bis ein Gewinner feststeht? Draw? Ich wusste zunächst auch keine Lösung und musste Lubos fragen, der wiederum den anwesenden Level 5, Jaap Brouwer, fragen musste. Zusammen fanden wir in den Archiven der Judge-Liste eine Antwort: Normalerweise gewinnt derjenige, der zuerst zwei Spiele gewonnen hat. Einen Gewinner kann es deshalb nicht geben, wenn beide gleichzeitig zwei Spiele gewinnen. Es wurde also entschieden, dass die Begegnung in einem Unentschieden endet.

Während ich eine kleine Pause mache und so an meiner Flasche nuckelnd (hatte ich schon erwähnt, dass es heisssssss war?) durch die Tische schlenderte, an denen Spieler tauschten und Funspiele machten, sah ich eine Runde von 6 Spielern mit Spielkarten vor sich auf dem Tisch, daneben einige Geldscheine. Mein Policydetektor schlug roten Alarm und ich ging direkt zum Head Judge-Assistenten (Justus Rönnau) und erzählte ihm von meinem Fund. Kartenspiele um Geld sind genau wie der Verkauf von Karten auf Grand Prixs und Pro Touren absolut verboten. Justus und ich gehen also zurück an den Tisch und fragen die Spieler, was abgeht. Wir lernen allerdings recht schnell, dass nicht Poker, sondern Bridge gespielt wird und das Geld auf dem Tisch mit dem Spiel nichts zu tun hatte, sondern dass nebenbei gerade die Fahrtkosten verrechnet wurden. Nachdem ich, peinlich berührt, mich für die Störung entschuldige, gehen wir schleunigst wieder. Naja, lieber einmal zu oft nachgefragt als einmal zu wenig.

loxodongatekeeper.jpgSpieler D ruft mich an den Tisch und erklärt mir, dass sein Gegner E mehrere Turns lang mit Token geblockt hat, die er mit dem Selesnya Guildmage produziert hatte und das grad wieder tat - prinzipiell kein Problem, nur hatte D einen Loxodon Gatekeeper im Spiel. Nach kurzem Nachfragen entschied ich, dass beide Spieler dafür verantwortlich sind, dass der Status des Spiels korrekt aufrechterhalten wird. Jeder der beiden Spieler bekam ein Warning. Auch entschied ich, dass der Status des Spiels so blieb, wie er war, also alles so behandelt wurde, als hätten die Token blocken können, nur für den aktuellen Combat Step und für alle weiteren natürlich nicht mehr.

Als ich von dem Tisch wegging, ärgerte ich mich ein bißchen über mich selber - ich hatte das Gefühl, an dem Tisch durchaus noch mehr hätte nachfragen können. Ob zum Beispiel andere Kreaturen, die E ins Spiel gebracht hatte, getappt ins Spiel gekommen waren oder nicht (ob also der Loxodon Gamekeeper in einigen Fällen beachtet wurde und in anderen nicht) und warum beide Spieler das Ganze nicht bemerkt hätten.
Ausserdem habe ich versäumt, nachzufragen, ob einer der beiden Spieler im Turnier bisher schon eine Strafe für ein ähnliches Problem bekommen hatte - dann wäre die Strafe für dieses Mal nicht bei einem Warning geblieben. Insgesamt war meine Untersuchung in diesem Fall also schlampig.

dimirdoppelganger.jpgSpieler F ruft mich und fragt "wenn dieser Dimir Doppelganger, der momentan ein Blind Hunter ist, stirbt, spukt der dann bei einer Kreatur?" Ich war für einen kurzen Moment versucht, mehr zu sagen, aber meine Antwort war nur "ja". Ich blieb vorsichtshalber am Tisch, denn ich ahnte, was gleich passieren würde: F opfert den Doppelganger in eine Dimir House Guard, lässt ihn bei einer anderen seiner Kreatur spuken. Er opfert diese dann auch gleich, meint "drain für 2" und streckt die Hand aus, denn der Gegner hatte nur noch einen Lebenspunkt. Da musste ich ihn leider unterbrechen. "Aber Du sagtest doch, dass der Doppelgänger spukt?" Das stimmt auch, allerdings: Wenn der Doppelgänger / Hunter in den Friedhof gelegt wird, wird tatsächlich seine Haunt-Fähigkeit ausgelöst und der Doppelgänger wird entfernt und spukt bei einer Kreatur. Wenn allerdings diese Kreatur dann stirbt, gibt es keine Fähigkeit, die ausgelöst wird, denn ist der Doppelgänger erst einmal nicht mehr im Spiel, ist es nur noch ein Doppelgänger und lange kein Blind Hunter mehr. Das hätte ich dem Spieler natürlich sagen können, aber das war nicht, was er gefragt hatte. Mehr zu tun als nur die mir gestellten Fragen zu beantworten, darf man natürlich als Schiedsrichter nicht - die Spieler müssen schon selber spielen, und Strategiehilfe von aussen ist weder von Zuschauern noch von Schiedsrichtern erlaubt. Hätte er mich gefragt "wenn die Kreatur stirbt, draine ich dann für 2?", hätte ich natürlich mit "nein" geantwortet und ihm das gerne gleich erklärt. Also, passt auf, dass Ihr auch wirklich das erfragt, was Ihr wissen wollt!

In den Runden vier bis sechs gab es im Turnier leider einige Verzögerungen. Am Ende der Runde fehlten jeweils einige Ergebniszettel. Einige tauchten auf, als die Schiedsrichter den Stapel mit den schon bearbeiteten Ergebnissen noch einmal durchsuchten. Ob der Scanner, das Computerprogramm oder der Schiedsrichter am Computer für diese Fehler verantwortlich war, weiß keiner. Andere Ergebniszettel tauchten gar nicht auf und wir mussten die Spieler der betreffenden Begegnungen nach vorne bitte und das Ergebnis von ihnen erfragen.

Am Ende einer Runde kommt Spieler G zu mir und meint, ihm fehle nach seinem Match eine Karte in seinem Deck, sein letzter Gegner müsse die aus Versehen eingesteckt haben. Ich bitte also einen Schiedsrichter, die Deckliste des Spielers zu holen und ich rief inzwischen den Namen des Gegners aus. Dieser hatte die Karte auch tatsächlich in seinem Deck, interessanterweise sogar in einer seiner Hüllen, obwohl G selber ohne Hüllen gespielt hatte. Wie auch immer, die Karte wurde zurückgegeben und die Sache schien erledigt.

Ich stand danach noch mit G und einem Bekannten, den wir beide kennen (H) und redete ein bißchen. H erzählte mir, dass "in dem Match ja eigentlich noch ganz andere Sachen passiert seien, die man hätte melden müssen". G druckste ein bißchen herum, sagte aber nichts und ging dann weg. Ihm war es sichtlich unangenehm, mit mir zu reden, was eventuell damt zu tun haben könnte, dass ich ihn auf dem GP Dortmund disqualifizieren lassen habe beziehungsweise den entscheidenden Hinweis gab, um ihn aus dem Draft im zweiten Tag auszuschließen - dort hatte er (seiner Aussage nach unabsichtlich) in die Karten seiner Draftnachbarn geschaut.
Ich fragte also H, was denn da jetzt wieder vorgefallen sei, und H erzähte mir, dass G's Gegner am Ende der Runde beim Stand von 1-1 angeboten hatte, das Match durch einen Würfelwurf zu entscheiden. Also war mal wieder ein Gang zu Lubos fällig, und die anschließende Untersuchung endete dann auch mit der ersten Disqualifikation des Tages. G selber bekam allerdings auch ein Matchloss für Unsporting Conduct - Major! Zuerst war ich darüber verwundert, aber im Nachhinein schien es mir auch logisch: Immerhin hatte er dadurch, dass er Cheater nicht gemeldet hatte, die Integrität des ganzen Turniers beschädigt und allen anderen 537 Spielern des Turniers einen Bärendienst erwiesen. Dass er nicht erfreut war, schon wieder von mir eine weitere schwere Strafe zu erhalten, versteht sich von selbst...

Die letzte Runde des Tages startete mit einigen Problemen, denn offensichtlich hatte entweder wieder der entsprechende Schiedsrichter nicht aufgepasst oder das Programm funktionierte nicht richtig, jedenfalls war ein Spieler, der eigentlich aus dem Turnier schon ausscheiden wollte, in den Paarungen für die letzte Runde noch aufgeführt. Ausserdem waren zwei Ergebnisse falschherum eingetragen worden, so dass vier Spieler die falsche Anzahl von Matchpunkten hatten. Im Ende wurden dann einmal komplett neue Paarungen gemacht, denn es hätte zu lange gedauert, die Probleme einzeln zu lösen.

In dieser letzten Runde bekam ich aus einem mir unerfindlichen Grund diverse Fragen über Electrolyze. Zieht man eine Karte, wenn nur noch eines von zwei Zielen legal ist, wenn Electrolyze verrechnet werden soll? Zieht man eine Karte, wenn keines der Ziele mehr vorhanden ist? Kann man mit einem Electrolyze drei Ziele ansagen und nur zwei von ihnen Schaden zuweisen?
Ausserdem rief mich noch Spieler J an den Tisch und meinte, er habe vergessen, für seinen Harrier Griffin im Versorgungssegment eine Kreatur zu tappen. Er fügte sofort hinzu, dass er wisse, dass das eigentlich nur ein Warning sei, er aber dafür schon vor zwei Runden ein Warning bekommen habe und jetzt wohl ein Game Loss fällig sei. Wie Recht er hatte! Ich dankte ihm dafür, dass er so ehrlich gewesen sei und sich selbst angezeigt habe, aber erklärte ihm, dass auch seine Ehrlichkeit nichts an den Penalty Guidelines ändern würde. Allerdings sagte ich ihm auch, dass diese Ehrlichkeit ihn andererseits davor bewahren würde, eine Disqualifikation zu bekommen für den Fall, dass es etwas verschwiegen hätte. Er nahm das Game Loss dann auch mit Gelassenheit hin und gewann das Match letztendlich 2-1.
Das war das letzte Ruling, was ich an diesem Tag machte. Und das war auch gut so, denn mittlerweile schmerzten meine Füße auch reichlich, und ich hatte HUNGER!

Der Tag endete mit einem Abschlusstreffen aller Schiedsrichter, auf dem der Head Judge von anderen interessanten Situationen des Tages erzählte, unter anderem von der Disqualifikation von Olivier Ruel (Ich werde mich darüber nicht auslassen, alles darüber könnt Ihr in der offiziellen Coverage sowie auf diversen anderen Internetseiten nachlesen).
Danach ging ich noch mit drei anderen Schiedsrichtern in der Stadt essen und gegen halb zwei endlich ins Bett.
Sonntag

Der Sonntag begann wieder reichlich früh mit einem Meeting, in dem wir unsere neuen Aufgaben für den zweiten Tag bekamen und für dieses Turnier klargestellt wurde, wie mit vergessenem Recover und Cumulative Upkeep umgegangen werden sollte: Vergißt ein Spieler, Recover oder CumUp zu zahlen und wird das erst bemerkt, nachdem schon mehrere weitere Spielaktionen passiert sind , bleiben die Karten, wo sie sind und werden nicht geopfert bzw. entfernt. Das hat sicherlich Nachteile, so zum Beispiel, dass ein Spieler so einen guten Anlass hat zu schummeln und "aus Versehen" die Trigger vergißt. Andererseits verhindert es, dass der Gegner "aus Versehen" übersieht, dass jemand das vergessen hat und später darauf aufmerksam macht und einen Game Loss fordert. Auf dem Grand Prix St. Louis, der gleichzeitig mit Malmö stattfand, wurde dies jedoch genau andersherum behandelt - dort wurde die betreffende Karte geopfert, wenn ihr CumUp nicht bezahlt wurde. Alle hoffen also auf eine definitive Klärung dieser Frage in näherer Zukunft.
Ich wurde für den Sonntag ins Team Paper eingeteilt - Ergebniszettel zuschneiden und verteilen sowie Pairings aushängen waren also die Aufgaben des Tages.
Im ersten Coldsnap-Draft des Tages gab es keine Probleme, jedoch gleich danach: irgendwie hatte der Computer es geschafft, die Spieler so an die Tische für den Deckbau zu setzen, dass jeder entweder neben oder jemandem gegenüber saß, der im gleichen Draftpod war. Nicht gerade gut, wenn man seinem zukünftigen Gegner beim Deckbau zugucken kann. Also wurden die Spieler neu auf die Tische verteilt und der Deckbau konnte losgehen. Als die ersten Spieler ihr Draftdeck auf den ausgegebenen Decklisten registrieren wollten, tauchten die ersten Fragen auf: Die Coldsnap-Deckliste hat, wie alle anderen Decklisten auch, für jede Karte zwei Spalten: In die eine trägt der Spieler die Anzahl der tatsächlich gespielten Karten ein, in die andere die komplette Anzahl der Karten, die er gedraftet hat, auch die, die er letztendlich nicht spielt. Für die Verschneiten Länder aus Coldsnap gibt es allerdings nur eine Spalte, und die Spieler fragten sich nun, wie sie die Länder registrieren sollten, die sie zwar gedraftet hatten, sie aber nicht spielten. Eine Durchsage von Lubos später war das Problem allerdings auch gelöst und die Spieler trugen diese Länder einfach neben den vorhandenen Spalten ein.

Vor der ersten Runde fragte mich ein Spieler, was passiere, wenn er mit Krovikan Whispers eine Kreatur übernimmt und dann Brooding Saurian spielt. Tatsächlich bekommt der Spieler dann die Kontrolle über die übernommene Kreatur zurück, und die Whispers sind nutzlos.

Während des zweiten Tages stellte sich heraus, dass zu den Side Events mehr Spieler auftauchten als erwartet, und so wurden aus dem Main Event immer mehr Schiedsrichter abgezogen, so dass wir am Ende mit nur drei oder vier Schiedsrichtern zwischen den verbliebenen Spielern unterwegs waren, was die Situation nicht gerade stressfreier machte.

Ich sitze am Tisch von Spieler L, als dieser einen Krovikan Scoundrel mit dem Mana aus zwei Wäldern bezahlt. Ich unterbreche ihn und gebe ihm ein Warning dafür und er fragt, ob das wirklich nötig sei. Etwas verwundert antworte ich, dass es allerdings nötig sei, dass er aber gerne den Head Judge anrufen könne, wenn er das wolle - er wollte aber nicht, wahrscheinlich hatte er eingesehen, dass er mit dem Appeal wohl kaum Chancen auf Erfolg haben würde.

Während der letzten paar Runden gab es kaum noch erzählenswerte Situationen, ausser dieser:

In Runde 14 beobachte ich das Match zwischen M und N, während M angreift mit einem 4/4-Aurochsen und N mit einer 1/3 Spinne und einem Orcish Bloodpainter blockt. Schaden geht auf den Stapel, N opfert die Spinne mit dem Bloodpainter und sagt "one to you". M und N notieren den Schadenspunkt und M legt den Aurochsen in den Friedhof. Erst zwei Züge später bemerkt einer der Zuschauer (es war ein Match und den Einzug in die Top8), dass der Aurochse doch gar nicht stirbt, wenn N auf M und nicht auf den Aurochsen schießt. M hatte wohl beim Angriff eingeplant, dass der Aurochse stirbt und überhaupt nicht realisiert, dass N unerwartet nicht den Aurochsen tötete. N wiederum hatte wohl eher aus Reflex "one to you" gesagt. Wie auch immer, mein Ruling war konsistent mit anderem am Vortag: Der Aurochse blieb im Friedhof, denn zu viele Entscheidungen im Spiel waren schon gefallen, um alles wieder zurückzudrehen. der Head Judge war damit auch einverstanden und das Match ging normal weiter.

In den Top 8 wurde ich eingeteilt, eines der Viertelfinale als Table Judge zu betreuen, allerdings war mein Viertelfinale das mit Abstand kürzeste, und Vasilis Fatouros gewann in nur 15 Minuten 2-0 gegen André Coimbra.
Damit war der Tag für mich beendet. Die nächste Zeit verbrachte ich mit anderen Schiedsrichtern in Zweiergesprächen, in denen wir uns gegenseitig Feedback gaben. Am Ende des Tages spielte ich im Hotel noch einen Coldsnap-Draft mit einigen finnischen Spielern, aus dem ich leider 0-1 ausschied. Zurück im Hotelzimmer konnte ich diese Nacht deutlich besser schlafen, denn der Nachtclub hatte am Sonntag deutlich weniger Besucher.

Am Montagmorgen holten mich meine Freunde um halb zwölf am Hotel ab und wir fuhren nach Trelleborg zurück zur Fähre. Auf der Fähre spielten wir dann zu fünft noch einen weiteren Booster Draft. Gegen acht Uhr abends war ich zu Hause und damit war der Grand Prix Malmö für mich beendet. Ich hatte ein interessantes, wenn auch anstrengendes Wochenende mit reichlich spannenden Situationen und vielen Gesprächen mit anderen Schiedsrichtern, die mir viele Anstöße gegeben haben, wie ich mich als Schiedsrichter noch weiterentwickeln kann. Ich hoffe, der Bericht hat mal wieder ansprechende und spannende Einblicke in die Erlebnisse eines Schiedsrichters geliefert und sage "auf Wiedersehen" bis zum Bericht der Deutschen und Schweizer Meisterschaften im August / September!

Geschrieben von the real paluschke



Artikel:

Meisterknutscher - 28.07.06 - 20:26


verbannt

Gästebuch 
Wie immer gut geschrieben!


Wer früher stirbt, ist länger tot.

Fieldy - 28.07.06 - 20:40


inaktiv

Gästebuch 
Hey, ich hab´ mal einen Artikel gelesen!(naja, fast.) Das mach´ ich nicht mal auf Pmtg. Aber schön geschrieben und vielleicht bin ich beim nächsten Event ja länger im Rennen, um Dich mit sinnlosen Fragen zu nerven.
Juggernaut - 28.07.06 - 21:33


inaktiv

Gästebuch 
Was ist denn jetzt mit dem Judge Level 3?
Hast du den Test gemacht und geschafft? In deinem Gästebuch steht da irgendwie nix davon drin, und einen Bericht gabs ja leider auch nicht.


Jeden Samstag von 15-20 Uhr findet in Memmingen im Allgäu ein Magictreffen statt!


undoder maulwurf - 28.07.06 - 21:35


inaktiv

Gästebuch 
Jo super Artikel, schön und detailiert geschrieben. Aber die ganzen Entscheidungen, dass des Spiel zB bei der Auerochsensache einfach so weitergespielt wird, find ich irgendwie nicht so toll. Was bessres fällt mir zwar auch nix als Lösung ein, aber Hat der dabei verteidigende Spieler eigentlich nen Warning dafür gekriegt, dass er nichts gesagt hat?

mfg
maulwurf
 the real paluschke - 28.07.06 - 21:43


Operator, DCI Judge

Mitglied seit
23.02.03

Gästebuch 
Natürlich haben beide Spieler ein Warning dafür bekommen, dass sie das Spiel in einen Zustand haben geraten lassen, der nicht korrekt ist.

Nur: was sind die Alternativen?

Gameloss verteilen? An wen? beide Spieler sind für den game state verantwortlich, also kann man wohl kaum einen der Spieler mit einem Game Loss betrafen. Für beide Spieler ein GL zu geben, ist unsinnig.

Aurochsen wieder ins Spiel? Dann gibt es das Problem, dass evtl. Entscheidungen, die zwischendurch getroffen wurden, im Nachhinein für Spieler zum Problem werden können. hat der eine Spieler z.B. angegriffen, nachdem er durchgerechnet hat, wieviel damage er im Zug danach selber bekommt, und plötzlich liegt da wieder ein Aurochse mehr, habe ich quasi indirekt ein Game Loss verteilt. Die Konsequenzen von solchen Entscheidungen sind nicht zu berechnen, daher ist das einzige, was wirklich übrig bleibt, die Aurochsen da zu lassen, wo sie waren.


 

 the real paluschke - 28.07.06 - 22:08


Operator, DCI Judge

Mitglied seit
23.02.03

Gästebuch 
Zitat:
Hast du den Test gemacht und geschafft? In deinem Gästebuch steht da irgendwie nix davon drin, und einen Bericht gabs ja leider auch nicht.


Gemacht ja, geschafft nicht. Was evtl. Teil der Erklärung sein könnte, warum es keinen Artikel von Prag gab


 

hannes10001 - 28.07.06 - 22:24

inaktiv

Gästebuch 
joa
super artikel hat mir gefallen

btw
ein anderer deutscher war in dem coldsnap draft mit drin das war der der dich in der 1. runde rausgehauen hat
Hypnotic-Specter - 28.07.06 - 22:47


DCI Judge

inaktiv

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AAAAAh, jetzt hab ich endlich den Witz mit dem "Eichhörnchen" verstanden.

Letzte Änderung: 15.02.07 - 20:00


Je vais vous tuer!


 the real paluschke - 28.07.06 - 22:49


Operator, DCI Judge

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23.02.03

Gästebuch 
Oh, DAS hat aber gedauert :)


 

Random45 - 29.07.06 - 00:30


verbannt

Gästebuch 
Zitat:
Kann man mit einem Electrolyze drei Ziele ansagen und nur zwei von ihnen Schaden zuweisen?

geht das jetzt eigentlich?
 the real paluschke - 29.07.06 - 00:31


Operator, DCI Judge

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23.02.03

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Nein. Ein Spruch, der Schaden zuweist, muss jedem Ziel mindestens einen Schadenspunkt zuweisen. Also kann Electrolyze minimal ein und maximal zwei Ziele haben.


 

Cagain - 29.07.06 - 00:51


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07.11.04

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Zu der Situation mit dem Dimir-Doppelganger: Sicherlich hast du recht, Palu, dass die Spieler selbst denken sollen und ihre Strategie selbst ausarbeiten müssen, aber mich als Spieler hätte es geärgert, wenn die Antwort erst dann kam, wenn ich schon gedraint hätte und den im Glauben wäre, das Spiel gewonnen zu haben. Finds ein bisschen unverschämt, dabei dem Spieler die Schuld zu geben.

Ansonsten super Artikel ;) Interessanter wie die Turnierberichte, da lernt man wenigstens was dabei
 the real paluschke - 29.07.06 - 01:30


Operator, DCI Judge

Mitglied seit
23.02.03

Gästebuch 
ich gebe niemandem die Schuld. Ich weiß nur genau, was ich sagen kann und was nicht. Wärst Du der Gegner und ich zeige dem fragenden Spieler "aber wenn du dies und das machst, passiert nichts, also lass das lieber" wärst Du wahrscheinlich etwas unzufrieden in der Situation. Schiedsrichter dürfen keine Strategiehilfen geben, zum Glück.


 

Fensterplätzchen - 29.07.06 - 02:14


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20.03.04

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Ja, aber die Intention des Spielers der haunten will ist in diesem Falle wohl eindeutig, wenn der Gegner auf 1 ist!
Wenn er extra den Judge ruft um sicher zu gehn und fragen will ob er jetzt gewonnen hat oder nicht, und dann gewinnt der Andere weil er 2 Creatures ins nichts sacct...
dann bin ich an seiner Stelle in Zukunft auch ein Spieler, der die Judges quält, bis er wirklich sicher ist.

Das mit dem cummulativ upkeep ruling ist sowieso das allerrandomste. Gäbe es nicht diese Art von Judges, die Warnings für Slowplay verteilen, weil sie sich beim zuschauen langweilen, dann gäbe es sicher um einiges mehr Spieler, die zu zahlen absichtlich vergessen - wenn sie dadurch den turn mana sparen.

Letzte Änderung: 29.07.06 - 02:18


Mich gibt es auch noch!!

mk - 29.07.06 - 02:20

inaktiv

Gästebuch 
Naja, die Intention ist eindeutig, aber wo fängt man an und wo hört man auf?

Wenn ein Spieler fragt, kann ich den Shock auf meinen Gegner spielen und es liegt ein Dovescape, muss man ihn dann auch darauf hinweisen, dass der Spruch keinen Schaden macht? Von daher finde ich es schon ok so.
Fensterplätzchen - 29.07.06 - 02:39


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20.03.04

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Naja, da ist schon ein bissi ein Unterschied.
Bei der vorgefallenen Szene am Gp handelt es sich ja immerhin um eine tatsächlich komplexe Sachlage und es wird gefragt ob die Spielregeln etwas so oder so ausgehen lassen.
Der Spieler war, nach dem er zur Sicherheit den Judge gefragt hatte (wenn auch etwas unglücklich), ja der Ansicht nun konsequent den gewünschten Effekt zu erziehlen.

Bei deinem Beispiel wird eine Karte bzw. ein Ereigniss einfach übersehen und somit wäre es natürlich "Einmischen" wenn ein außenstehender darauf hinweisen würde.

Letzte Änderung: 29.07.06 - 02:42


Mich gibt es auch noch!!

EdenX - 29.07.06 - 21:55


inaktiv

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Doof, dass es mit dem Lvl3 nicht geklappt hat. Wann kann der nächste Anlauf starten?
 the real paluschke - 29.07.06 - 21:59


Operator, DCI Judge

Mitglied seit
23.02.03

Gästebuch 
Ungefähr ein halbes Jahr später. Die einzige Chance dieses Jahr ist also auf der WM in Paris im Dezember.


 

Fensterplätzchen - 29.07.06 - 23:33


Mitglied seit
20.03.04

Gästebuch 
und woran scheitert sowas?
an den regelkenntnissen wohl ned :P


Mich gibt es auch noch!!

ElvishPiper - 30.07.06 - 09:33


Mitglied seit
28.04.03

Gästebuch 
Artikel hat mir mal wieder gut gefallen. Obwohl ich die Roadtrip-Geschichten dann doch manchmal etwas vermisse.

Besonders aufgefallen ist mir, dass Du diesmal auch eine ordentliche Portion Selbstkritik geschildert hast mit Situationen wo Du dich geirrt hast oder nicht sicher warst. Das finde ich sehr konstruktiv. Außerdem sieht man daran, dass Judges auch nur Menschen sind und wie schwirig dieser Job immer wieder ist.
GoldenSeraph - 30.07.06 - 13:22


DCI Judge

Mitglied seit
03.11.02

Gästebuch 
Methodik und Aufgabenstellungen von L3 Tests sind umhin nicht öffentlich zu machen Plätzchen. Entscheidungen bezüglich der Hauntfrage sind schlicht und ergreifend richtig. Er hat die ihm gestellte Frage sachgemäß und richtig beantwortet. Rules Knowledge ist immens wichtig für noch besseres Abschneiden.


Nat'Q ich komme.

shadowjumper - 03.08.06 - 17:08


Mitglied seit
27.07.06

Gästebuch 
das ist ja wirklich ein sehr interessanter artikel !!
muss schon sagen so ein wochenende auf so einer art turnier ist ganz schön stressig ich möchte da nicht in deiner haut stecken !!!
-->ach so übrigens noch mein beileid das du den test zum judge-lvl 3 nicht geschafft hast !!--versuchs einfach nochmal du schaffst das schon !!!


--mfg shadowjumper


Wenn Fliegen fliegen fliegen Fliegen Fliegen hinterher...

Chickenfood - 06.08.06 - 21:03


Mitglied seit
03.08.06

Gästebuch 
Wie immer guter Artikel


klug und fleißig — gibt's nicht;
klug und faul — bin ich selbst;
dumm und faul — für Repräsentationszwecke noch ganz gut zu gebrauchen;
dumm und fleißig — davor behüte uns der Himmel

Wissen ist Nacht, aber 42 ist die antwort auf alles.



Tol lag ag Nur - 07.08.06 - 10:30

inaktiv

Gästebuch 
Ich fand den Artikel auch sehr gut geschrieben, besonders gefällt mir das beschreiben der Situationen die sich ergeben haben und zwar so, das sie auch ein Anfänger versteht . . .

Da hab ich schon andere Artikel gelesen, wo ich jedes 2. Wort nicht verstanden hab weil es Fachsprache war . . .

Daumen hoch und zwar alle beide für den Artikel
HAN - 11.08.06 - 13:12

inaktiv

Gästebuch 
Ein sehr gut geschriebener Art.
leider konnte ich in Malmö nie Magic
zoggen weil ich nie zur Freizeit da war
aber da die Sommer in Schweden ja noch warm sind
und die Fähren zwischen Sasnitz und Trellebourg
nicht die Besten (das dt. natü besser) sind
ist das ja echt ein Anstregender Job
gruzz HAN


Sammle "Mirri die Katzenkriegerin"(die grüne!)
Edit: egal Zustand: egal Sprache: egal
je nach Zustand 2 - 4 ¤ oder auch Tausch
Fragen und Angebote KN an mich



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