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GP Paris - Report

Ich hatte vor ein paar Wochen schon die Einladung von Wizards bekommen, den GP in Paris als Schiedsrichter zu betreuen. Als kleine Entscheidungshilfe boten sie an, Anfahrt und Übernachtung zu zahlen. Naja, da konnte ich wohl kaum nein sagen und machte mich am Freitag auf nach Berlin, um von dort nach Paris zu fliegen.

Den Freitag nachmittag/abend verbrachte ich größtenteils auf der Site und “vergnügte” mich damit, Sealed Pools aufzureißen und zu registrieren, d.h. Decklisten zu schreiben. Natürlich ist es illusorisch, für alle Spieler bei einem so großen Event Pools zu registrieren, aber ein paar Reserve-Pools für Leute, die Fehldrucke, -Schnitte etc öffnen, sollten schon bereit liegen. Stichwort viele Leute: schon während der Voranmeldung am Freitagabend meldeten sich 750 Spieler an, dazu kamen noch ~400, die sich per Internet registriert hatten. Der Grand Prix versprach also wirklich ein Grand Prix zu werden…In vier Stunden registrierte ich zusammen mit zwei anderen Judges ~40 Pools, dann meinte der Head Judge David, das sei genug. Ein kleines Briefing folgte, bei dem wir auch unsere Aufgaben für den day1 zugewiesen bekamen.
Der Plan war, jetzt noch schnell was essen zu gehen und dann ins Bett zu fallen. Das mit dem Essen stellte sich als durchaus schwierig dar, denn obwohl es erst 10 Uhr abends war, fanden wir in der Nähe der Location kein Restaurant mehr, das noch offen hatte. Wir mussten uns dann mit dem McDonald’s-Verschnitt “Quick” begnügen.

Das Hotel, in dem wir untergebracht wurden, war das “Paris Hilton". Jetzt mal alle schlechten Witze beiseite gelassen, waren die Zimmer hervorragend (kann man für 500 € pro Nacht aber auch erwarten…). Mein Zweibettzimmer teilte ich mir mit Michael Hüllecremer, dem einzigen anderen deutschen Judge auf dem GP.

Auch das Frühstück lies keine Wünsche offen, und mit Pfannkuchen, frischem Obst und Lachs gestärkt (schöne Grüße an die Jugendherbergsübernachter :)) machten wir uns auf den Weg zur Site.Ich war den Abend vorher schon eingeteilt worden für Deck Checks. Der Grand Prix wurde aufgrund des zu erwartenden großen Teilnehmerfeldes aufgeteilt: jeweils die Hälfte der Spieler sollten ein Turnier spielen (die Gruppen hießen “yellow” und “blue", benannt nach den Farben der Decklisten, die sie nutzten) und jeweils die Top 64 formten dann für den day2 die Gesamt-Top 128. Insgesamt fanden sich 1588 Spieler ein, d.h. ~800 Spieler pro Gruppe

Das Deckcheck-Team für die “blaue Gruppe” wurde geleitet von Jesper Nielsen aus Dänemark und bestand neben mir noch aus 6 anderen Schiedsrichtern aus Portugal, Frankreich und Polen.

Nachdem - mit einiger Verzögerung - für beide Gruppen die Tischnummern aufgestellt, Decklisten und Instruktionen verteilt waren, konnte das Turnier starten. Der Plan war, dass jeder der Schiedsrichter aus dem DC-Team während der Runden drei Tischreihen zugeteilt bekam, in denen er für etwaige Judgecalls zuständig sein sollte. Für mich waren das die ersten drei Tischreihen, etwa die Tischnummern 1 bis 40, also die interessanten Spiele :)

Nach einem von mir etwas vermurksten Deckswap in meiner “Area” machten sich die Spieler daran, Decks zu bauen und dabei mehr oder minder erfreute Urlaute von sich zu geben - Sprechen war natürlich untersagt und ich konnte die ersten paar Warnings vergeben an Spieler, die sich daran nicht hielten.

Decklisten einsammeln und danach zählen stand für uns in der Runde 1 auf dem Programm. Wir überprüften also die 800 Decklisten unserer Gruppe darauf, ob auch alle wirklich 40 Karten spielten etc. Wie zu erwarten war, entdeckten wir dabei einige illegale Listen, die obligatorischen “ich spiele ohne Basisländer"-Listen, Leute, die nur 39 Karten registriert hatten, Leute, die Karten spielten, die zwar unter “played", aber nicht unter “total” auf der Decklisten auftauchten etc.

Runde 2 begann deshalb mit der Verteilung von penalties dafür. Lustig waren zwei Spieler, die gegeneinander gepaart waren und beide Probleme mit ihren Decklisten hatten. Als ich zum Tisch kam und Spieler A eröffnete, er habe sich einen Game Loss verdient und sollte bitte die Deckliste korrigieren, konnte sich Spieler B ein Grinsen nicht verkneifen - das verging ihm aber ziemlich schnell, als ich ihm sagen konnte, dass auch er ein GL bekäme für eine Deckliste ohne Basisländer. Das Gelächter an den umliegenden Tischen war jedenfalls groß und die beiden durften dann gleich mit dem Entscheidungsspiel starten.

Ab jetzt hieß es für uns DC-Judges, normal zwischen den Tischen zu “floaten” und Fragen zu beantworten. Am Anfang jeder Runde gab es vom Scorekeeper drei zufällig gewählte Tische, die dann überprüft wurden. Wir trafen auf sehr wenige Probleme, nur ein Fall war interessant genug, um hier erwähnt zu werden:

In Runde 3 prüfte ich das Deck eines Spielers, der mit durchsichtigen Hüllen spielte - stabile Hüllen, die etwas abgedunkelt waren, aber trotzdem klare Sicht auf die Rückseite der Karten erlaubten. Die Hüllen waren größtenteils in tadellosem Zustand, außer 5. Die 5 Karten, die durch eine stark hochgebogene Ecke unten rechts markiert waren, waren Kokusho, Kumano, Kabuto Moth, Nezumi Cutthroat und Otherworldly Journey. Da waren noch zwei oder drei andere Karten, die auch etwas auffielen, aber lange nicht so starke Markierungen hatten wie die genannten und auch lange keine solche Spielstärke aufwiesen. Schon auffällig jedenfalls, dass die augenscheinlich besten Karten in seinem Deck (und auch fast im ganzen Set) solche Markierungen hatten. Absicht? Nachdem ich mit Jesper gesprochen hatte, holten wir David, den Head Judge, zu Rate. Der entschied, die Karten aus dem Hüllen umzustecken, d.h. andere Karten in die markierten Hüllen zu stecken, dem Spieler das Deck zurückzugeben und ihn zu beobachten, ob er besonders oft auf seine Bibliothek schaut, wie er mischt etc. Zusätzlich sollte es in Runde 5 einen weiteren Deckcheck bei ihm geben, um zu püfen, ob der die Hüllen nochmal zum alten Muster gewechselt hat. Ich beobachtete also in Runde 3 und 4 sein Spiel und es war nichts auffälliges zu entdecken. Wir beließen es also bei einem Warning, das wir dem Spieler auch nicht mitteilten, um nicht aufzudecken, dass wir ihn im Visier hatten.

Für mich eine fragwürdige Methode. Ich unterstütze natürlich die Entscheidung des Head Judges, ich glaube jedoch, ein Warning war für eine solche Aktion doch etwas wenig. Gehen wir mal davon aus, die Markierungen waren unabsichtlich - auch wenn die Wahrscheinlichkeitsrechung etwas anderes sagt -, dann hätte es trotzdem für ein “Marked Cards - Major” ein Match Loss geben müssen. In der verbleibenden Zeit der Runde, die er dann verloren hätte, hätte man klären können, ob die Hüllen sogar absichtlich markiert worden waren - das wäre dann ggf. eine glasklare Disqualifikation gewesen. Nur ein Warning statt Match Loss ist jedoch ziiiiemlich wenig.

Ansonsten war für mich der erste Tag recht ereignislos. Es gab natürlich reichlich Judge Calls, die entweder Regelfragen oder Fragen über bestimmte Spielsituationen betrafen. Die weitaus häufigsten Fragen ergaben sich aus Miskommunikation zwischen Spielern, so waren sich zwei Spieler z.B. nicht einig, ob das “Ok” von Spieler B jetzt bedeutete, dass der Spell von Spieler A jetzt schon resolved sei oder ob B nur andeutete, dass er verstanden hatte, was A überhaupt machen wollte. Aufgrund der Sprachbarriere (A war Franzose, B “Ausländer") entschied ich, das OK sei darauf bezogen gewesen, dass B verstand, was passieren sollte und noch Zeit habe, in response etwas zu tun, bevor der spell resolved. Dass es in dieser Situation dazu kam, dass ein Appeal an den Head Judge gemacht wurde (von A), fand ich etwas übertrieben, aber David stützte mein Ruling.

Nach 9 Runden Swiss war der day1 zu Ende. Es war mittlerweile halb 2 nachts geworden, deshalb war die weitere Planung ziemlich klar: nach einem weiteren Judge Briefing, bei dem mir eröffnet wurde, ich sei am day2 für die Side Events eingeteilt, ging es direkt ins Bett.

Am Sonntag (nach Alarm-Start, weil ich verschlafen hatte), durfte ich also den ganzen Tag lang 8-Mann-KO-Drafts leiten. Nicht grade eine spannende Aufgabe, denn mehr als Produkt austeilen, Paarungen bekannt geben und zum Schluss Preise austeilen beinhaltete das meist nicht. Klar gab es auch bei Side Events einige Fragen, aber durch den eher Casual Charakter ist alles sehr viel lockerer als im Main Event. Man sollte als Judge nur aufpassen: eben dieser Casual Charakter lässt auch sehr viel mehr Raum für Unregelmäßigkeiten: Bribery im Halbfinale, Cheating etc. Ich hatte nur eine interessante Frage, die sich bei einem Draft mit japanischen Karten ergab: Ein Spieler hatte ein Rend Spirit (nicht-arkan) mit Hisoka’s Defiance gecountert. Beide Spieler merkten das erst ne Runde später. Nach einigem Hin und Her drehte ich das Spiel bis zum Rend Spirit zurück, denn seitdem war nicht sehr viel passiert. Es gab ein Warning für den Countermann und die Sache war erledigt.

Side Events sind immer interessante Angelegenheiten: Semi-Pros, die es nicht in den day2 geschafft haben, casual player, Leute, die nur tauschen wollen und den Tisch mit Ordnern volladen, und alle auf einem Haufen, völlig ungeordnet…so konnte ich dann auch zugucken, wie Frank Pollack von einem französischen Mädchen beim Draft auseinandergenommen wurde, wie der Frisör 0-1 ging etc…

Die Side Events gingen bis spät in den Abend. Das Main Event lief derweil weiter mit zweimal 3 Runden Rochester Draft, bis in Runde 14 der DCI Reporter crashte und Spieler wild in andere Pods pairte usw. Das kostete fast eine Stunde Verzögerung, bis dann der Head Judge entschied, die Paarung für die letzte Runde per Hand vorzunehmen. Während dieser Stunde Wartezeit, die bei den Spielern nicht grad zur guten Stimmung beitrug, beschäftigten sich alle notdürftig: sogar die ihrer Aufgaben beraubten Schiedsrichter öffneten einige Starter und spielten Sealed, viele Spieler droppten. Ich hatte gerade nichts zu tun, und so bekam ich einen Pod, an dem ich die Paarungen manuell machen sollte. 5 der ursprünglich 8 Spieler waren noch anwesend, und da die alle noch nicht gegeneinander gespielt hatten, war die Sache recht schnell erledigt. Ich setzte mich dann zwischen die beiden Partien in Runde 15 und war so klammheimlich doch wieder ins Main Event gerutscht, wenn auch nur für eine Runde.

Im finalen Top8-Draft half ich, die Zuschauer ruhig und danach von den Top8-Spielern beim Deckbau fern zu halten. Ab Viertelfinale klinkte ich mich jedoch aus, um zuerst von Jesper (Team Leader day1) ein bisschen Feedback über meine Leistungen zu erhalten und mich dann mit einigen anderen arbeitslosen Judges zum Sealed zu treffen. Wir zockten noch ein paar Partien, und dann war der Tag auch vorbei. Außerdem gab es die Compensation ausgezahlt (1,5 Displays für einen normalen L2 Judge, dazu noch ein halbes Display für die Poolregistrierung am Freitag, dazu noch ein Foil-Paket mit Gaea’s Cradle, Vampiric Tutor und so Nettigkeiten). Damit war der Grand Prix für uns erledigt.

Den Flug am Montag morgen zurück nach Berlin habe ich erstmal verschlafen, aber nach 2 Stunden Extra-Schlaf und ausgiebigem Frühstück konnte ich am Flughafen umbuchen und startete gen Heimat.

Insgesamt ein sehr nettes Wochenende, an dem ich in Bezug auf Organisation und Entscheidungen bei Uneinigkeiten zwischen Spielern einiges gelernt habe. Auch das Feedback, das mir Jesper mit auf den Weg gab, wird mir sicherlich helfen, meine judge skills noch zu verbessern. Ob mir das gelingt, könnt Ihr am 28. bis 30. Dezember in Rodgau bei Frankfurt selber beurteilen, da werde ich für die drei Team-PTQ’s (PT Atlanta) auch als Schiedsrichter vor Ort sein.

Bis dahin,
paluschke

Geschrieben von the real paluschke



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