Herzlich
willkommen zu einer weiteren Episode von "Ein Streifenhörnchen reist um
die Welt". Der Bericht der Pro Tour Prag fiel leider aus, aber in
dieser Sommerausgabe gibt es dafür umso mehr Interessantes.
Grand Prix Malmö fing für mich bereits eine Woche vorher an, mit
zahlreichen Diskussionen im IRC und auf der Schiedsrichter-Mailingliste
über die beste Methode, Spiele zu reparieren, in denen ein Spieler
Upkeep-Effekte wie Cumulative Upkeep oder Recover vergessen hatte. In
Malmö sollte Ravnica-Sealed gespielt werden und Coldsnap-Draft am
Sonntag, und alle Schiedsrichter stellten sich darauf ein, Situationen
dieser Art durchaus "live" zu erleben.
Am Freitagmittag wurde es ernst: Mit dem Zug fuhr ich nach
Stralsund, von dort mit dem Auto und vier Bekannten nach Sassnitz, dann
mit der Fähre nach Trelleborg und das letzte Stück nach Malmö. Die
obligatorischen Roadtrip-Geschichten spare ich mir an dieser Stelle.
Dass wir auf der Fähre natürlich Magic gespielt haben, versteht sich
von selbst, und dass das übliche trashtalking nicht ausblieb, ist auch
klar. Gegen elf Uhr nachts kamen wir in Malmö an und meine Mitfahrer
(vier tapfere Mecklenburger, die auf dem Grand Prix spielen wollten)
luden mich an meinem Hotel ab. Ich wußte schon im Voraus vom großen
Pluspunkt des Hotels: Es liegt direkt neben der Location für den Grand
Prix selbst. Die großen Minuspunkte wurden leider noch während der
Nacht von Freitag auf Samstag klar: Etagenbetten in winzigen Zimmern
ohne funktionierende Klimaanlage - ein offensichtlicher Fehlgriff von
den Wizards-Offiziellen, welche die Schiedsrichter auf vorherigen Grand
Prix schon des Öfteren mit Hotels wie dem Hilton oder Sheraton beglückt
hatten. Auf meinem Zimmer wohnten ausser mir noch Tom Ribbens (Level 1
aus Belgien) und Jaroslaw Karban (Level 1 aus Tschechien). Die Nacht
war kurz: Ausser dass wir drei uns noch recht lange über diverse
Magic-Themen unterhielten, machte es sich unangenehm bemerkbar, dass
die direkt nebenan liegende Location für den Grand Prix auch Malmös
größten Nachtclub beherbergt - dementsprechend lange war es auf der
Straße unter unserem Fenster laut.
Freitag
Nach der zu kurzen Nacht und einem Frühstück mit deutlich zu wenig
Auswahl trafen sich alle Schiedsrichter um halb Acht zum großen
"Briefing", auf dem wir unter anderem unsere Aufgaben für den ersten
Tag des Grand Prix zugewiesen bekamen. Ich wurde in das Team
"Logistics" eingeteilt, mein Team Leader war George Michelogiannakis
(kurz: "George M."), Level 3 aus Griechenland. George war in Prag
Mitglied des Teams gewesen, das mir den Level-3-Test abgenommen hat,
und auf einigen Grand Prix vorher hatte ich auch schon mit ihm
gearbeitet. Das Team Logistics ist ein Springer-Team, das während des
Grand Prixs überall dort aushilft, wo andere Teams gerade hilfe
brauchen. Unsere primären Aufgaben bestanden darin, zuerst Booster und
Starterpackungen für die 500+ Spieler zurechtzulegen und zu verteilen.
Während der Runden sollten wir hauptsächlich zwischen den Tischreihen
patroullieren und Fragen von Spielern beantworten. Das Team hatte
insgesamt 7 Schiedsrichter, davon zwei Level 1 und einen Level 0, also
alles in allem ein eher unterdurchschnittlich erfahrenes Team. George
hatte mich angewiesen, während des Tages ein Auge auf einen der Level 1
zu haben und diesem später Feedback darüber zu geben, wie er sich
verbessern könnte.
Nachdem die Registration geschlossen wurde und unser Team schnell
noch die hinteren Tische umnummerieren musste, weil sich mehr Spieler
angemeldet hatten, als kalkuliert worden war, konnten wir um 10:15 Uhr
Produkt für 539 Spieler austeilen. Mit 539 Spielern standen 8 Runden
Sealed am Samstag an, dann Cut auf Top 64 für Sonntag. Während der Zeit
für die Deckregistration und für den Deckbau gab es die üblichen
kleinen Probleme mit Spielern, die nur 74 Karten registriert hatten
oder beim Registrieren in einer Zeile auf der Deckliste verrutscht
waren - 50 Minuten und einige Warnings später konnte Runde Eins des
Grand Prix ohne größere Verzögerung beginnen.
Schon während dieser ersten Runde stöhnten Spieler und
Schiedsrichter unter der enormen Hitze, die in der Halle herrschte -
wir wurden daran erinnert, auf jeden Fall genug zu trinken, um den Tag
heil zu überstehen. Gut, dass für die Schiedsrichter an zwei Ecken der
Halle kostenlose Wasserspender aufgestellt worden waren (natürlich
nicht für die Spieler, hihi) und unser Fresspaket zusätzlich noch
isotonisches Zeugs enthielt.
In Runde Eins half ich dem Team "Deckchecks", Decklisten zu prüfen.
Wie üblich gab es einige Spieler, die nicht bis 40 zählen konnten und
Decklisten mit 39 gelisteten Karten abgegeben hatten, und welche, die
vergessen hatten, die gespielten Basisländer zu registrieren. Insgesamt
gab es etwas über 20 Listen mit Problemen. Die Prüfung der Decklisten
dauerte bis zu Beginn von Runde Drei, dann konnten wir damit anfangen,
die entsprechenden Strafen an die Spieler zu vergeben - normalerweise
ein Game Loss für "illegal mainboard list".
Da eine chronologische korrekte Beschreibung der kompletten acht
Runden langweilig und wenig informativ wäre, werde ich jetzt in loser
Reihenfolge aufschreiben, was so an interessanten Situationen aufkam.
Spieler A bekommt ein Game Loss für "illegal main decklist", weil er
nur 39 Karten registriert hat. Jedoch fängt er an, sich darüber zu
beschweren und startet einen Appeal an den Head Judge (das Recht eines
jeden Spielers), weil er sagte, er habe extra um dies zu verhindern den
Schiedsrichter seine Liste schon einmal zählen lassen, als er die nach
dem Deckbau abgegeben hat. Mein Ruling war, dass dies zwar unglücklich
gelaufen ist, aber nichts daran ändert, dass er ein Game Loss bekommt:
Nicht der einsammelnde Schiedsrichter, sondern der Spieler ist dafür
verantwortlich, dass die Deckliste in Ordnung ist. Der Head Judge
(Lubos Lauer aus Tschechien) sah das genau so und lehnte es ab, an
meinem Ruling etwas zu ändern.
Warum der Schiedsrichter überhaupt die Liste beim Abgeben gezählt
hat, weiß ich nicht: Wie gesagt ist der Spieler selber dafür
verantwortlich, eine legale Liste abzugeben, und ausserdem kann so
etwas leicht dazu führen, dass plötzlich alle Spieler ankommen und ihre
Liste auch überprüft haben wollen - mehr Arbeit für die Schiedsrichter,
mehr Verzögerungen, weniger Eigenverantwortung, insgesamt total
kontraproduktiv also.
Spieler B und C sind im dritten Spiel, rufen mich an den Tisch und
zeigen mir einen Golgari Rotwurm, den B eben gezogen hat. "Das ist
nicht meiner" sagt er und erklärt, dass er den einen Rotwurm, der in
seinem Deck sein sollte, schon vorher gezogen hat. Nach kurzer
Untersuchung fand ich heraus, dass beide Spieler die gleichen Hüllen
benutzen und C auch einen Rotwurm im Deck haben sollte. Nach Spiel 2
ist der Rotwurm wohl irgendwie beim Mischen in das falsche Deck
geraten. Interessant ist das Ganze natürlich deshalb, weil so beide
Spieler zu Beginn des dritten Spiels ein illegales Deck präsentiert
hatten (eines mit nur 39 Karten und eines mit einer Karte, die nicht
dahin gehört) und jeweils ein Game Loss verdient haben. Nur: Wenn es
schon 1-1 steht und beide Spieler ein Game Loss bekommen, was passiert
dann? 2-2 und es wird ein weiteres Spiel gespielt, bis ein Gewinner
feststeht? Draw? Ich wusste zunächst auch keine Lösung und musste Lubos
fragen, der wiederum den anwesenden Level 5, Jaap Brouwer, fragen
musste. Zusammen fanden wir in den Archiven der Judge-Liste eine
Antwort: Normalerweise gewinnt derjenige, der zuerst zwei Spiele
gewonnen hat. Einen Gewinner kann es deshalb nicht geben, wenn beide
gleichzeitig zwei Spiele gewinnen. Es wurde also entschieden, dass die
Begegnung in einem Unentschieden endet.
Während ich eine kleine Pause mache und so an meiner Flasche
nuckelnd (hatte ich schon erwähnt, dass es heisssssss war?) durch die
Tische schlenderte, an denen Spieler tauschten und Funspiele machten,
sah ich eine Runde von 6 Spielern mit Spielkarten vor sich auf dem
Tisch, daneben einige Geldscheine. Mein Policydetektor schlug roten
Alarm und ich ging direkt zum Head Judge-Assistenten (Justus Rönnau)
und erzählte ihm von meinem Fund. Kartenspiele um Geld sind genau wie
der Verkauf von Karten auf Grand Prixs und Pro Touren absolut verboten.
Justus und ich gehen also zurück an den Tisch und fragen die Spieler,
was abgeht. Wir lernen allerdings recht schnell, dass nicht Poker,
sondern Bridge gespielt wird und das Geld auf dem Tisch mit dem Spiel
nichts zu tun hatte, sondern dass nebenbei gerade die Fahrtkosten
verrechnet wurden. Nachdem ich, peinlich berührt, mich für die Störung
entschuldige, gehen wir schleunigst wieder. Naja, lieber einmal zu oft
nachgefragt als einmal zu wenig.
Spieler
D ruft mich an den Tisch und erklärt mir, dass sein Gegner E mehrere
Turns lang mit Token geblockt hat, die er mit dem Selesnya Guildmage
produziert hatte und das grad wieder tat - prinzipiell kein Problem,
nur hatte D einen Loxodon Gatekeeper im Spiel. Nach kurzem Nachfragen
entschied ich, dass beide Spieler dafür verantwortlich sind, dass der
Status des Spiels korrekt aufrechterhalten wird. Jeder der beiden
Spieler bekam ein Warning. Auch entschied ich, dass der Status des
Spiels so blieb, wie er war, also alles so behandelt wurde, als hätten
die Token blocken können, nur für den aktuellen Combat Step und für
alle weiteren natürlich nicht mehr.
Als ich von dem Tisch wegging, ärgerte ich mich ein bißchen über
mich selber - ich hatte das Gefühl, an dem Tisch durchaus noch mehr
hätte nachfragen können. Ob zum Beispiel andere Kreaturen, die E ins
Spiel gebracht hatte, getappt ins Spiel gekommen waren oder nicht (ob
also der Loxodon Gamekeeper in einigen Fällen beachtet wurde und in
anderen nicht) und warum beide Spieler das Ganze nicht bemerkt hätten.
Ausserdem habe ich versäumt, nachzufragen, ob einer der beiden Spieler
im Turnier bisher schon eine Strafe für ein ähnliches Problem bekommen
hatte - dann wäre die Strafe für dieses Mal nicht bei einem Warning
geblieben. Insgesamt war meine Untersuchung in diesem Fall also
schlampig.
Spieler
F ruft mich und fragt "wenn dieser Dimir Doppelganger, der momentan ein
Blind Hunter ist, stirbt, spukt der dann bei einer Kreatur?" Ich war
für einen kurzen Moment versucht, mehr zu sagen, aber meine Antwort war
nur "ja". Ich blieb vorsichtshalber am Tisch, denn ich ahnte, was
gleich passieren würde: F opfert den Doppelganger in eine Dimir House
Guard, lässt ihn bei einer anderen seiner Kreatur spuken. Er opfert
diese dann auch gleich, meint "drain für 2" und streckt die Hand aus,
denn der Gegner hatte nur noch einen Lebenspunkt. Da musste ich ihn
leider unterbrechen. "Aber Du sagtest doch, dass der Doppelgänger
spukt?" Das stimmt auch, allerdings: Wenn der Doppelgänger / Hunter in
den Friedhof gelegt wird, wird tatsächlich seine Haunt-Fähigkeit
ausgelöst und der Doppelgänger wird entfernt und spukt bei einer
Kreatur. Wenn allerdings diese Kreatur dann stirbt, gibt es keine
Fähigkeit, die ausgelöst wird, denn ist der Doppelgänger erst einmal
nicht mehr im Spiel, ist es nur noch ein Doppelgänger und lange kein
Blind Hunter mehr. Das hätte ich dem Spieler natürlich sagen können,
aber das war nicht, was er gefragt hatte. Mehr zu tun als nur die mir
gestellten Fragen zu beantworten, darf man natürlich als Schiedsrichter
nicht - die Spieler müssen schon selber spielen, und Strategiehilfe von
aussen ist weder von Zuschauern noch von Schiedsrichtern erlaubt. Hätte
er mich gefragt "wenn die Kreatur stirbt, draine ich dann für 2?",
hätte ich natürlich mit "nein" geantwortet und ihm das gerne gleich
erklärt. Also, passt auf, dass Ihr auch wirklich das erfragt, was Ihr
wissen wollt!
In den Runden vier bis sechs gab es im Turnier leider einige
Verzögerungen. Am Ende der Runde fehlten jeweils einige Ergebniszettel.
Einige tauchten auf, als die Schiedsrichter den Stapel mit den schon
bearbeiteten Ergebnissen noch einmal durchsuchten. Ob der Scanner, das
Computerprogramm oder der Schiedsrichter am Computer für diese Fehler
verantwortlich war, weiß keiner. Andere Ergebniszettel tauchten gar
nicht auf und wir mussten die Spieler der betreffenden Begegnungen nach
vorne bitte und das Ergebnis von ihnen erfragen.
Am Ende einer Runde kommt Spieler G zu mir und meint, ihm fehle nach
seinem Match eine Karte in seinem Deck, sein letzter Gegner müsse die
aus Versehen eingesteckt haben. Ich bitte also einen Schiedsrichter,
die Deckliste des Spielers zu holen und ich rief inzwischen den Namen
des Gegners aus. Dieser hatte die Karte auch tatsächlich in seinem
Deck, interessanterweise sogar in einer seiner Hüllen, obwohl G selber
ohne Hüllen gespielt hatte. Wie auch immer, die Karte wurde
zurückgegeben und die Sache schien erledigt.
Ich stand danach noch mit G und einem Bekannten, den wir beide
kennen (H) und redete ein bißchen. H erzählte mir, dass "in dem Match
ja eigentlich noch ganz andere Sachen passiert seien, die man hätte
melden müssen". G druckste ein bißchen herum, sagte aber nichts und
ging dann weg. Ihm war es sichtlich unangenehm, mit mir zu reden, was
eventuell damt zu tun haben könnte, dass ich ihn auf dem GP Dortmund
disqualifizieren lassen habe beziehungsweise den entscheidenden Hinweis
gab, um ihn aus dem Draft im zweiten Tag auszuschließen - dort hatte er
(seiner Aussage nach unabsichtlich) in die Karten seiner Draftnachbarn
geschaut.
Ich fragte also H, was denn da jetzt wieder vorgefallen sei, und H
erzähte mir, dass G's Gegner am Ende der Runde beim Stand von 1-1
angeboten hatte, das Match durch einen Würfelwurf zu entscheiden. Also
war mal wieder ein Gang zu Lubos fällig, und die anschließende
Untersuchung endete dann auch mit der ersten Disqualifikation des
Tages. G selber bekam allerdings auch ein Matchloss für Unsporting
Conduct - Major! Zuerst war ich darüber verwundert, aber im Nachhinein
schien es mir auch logisch: Immerhin hatte er dadurch, dass er Cheater
nicht gemeldet hatte, die Integrität des ganzen Turniers beschädigt und
allen anderen 537 Spielern des Turniers einen Bärendienst erwiesen.
Dass er nicht erfreut war, schon wieder von mir eine weitere schwere
Strafe zu erhalten, versteht sich von selbst...
Die letzte Runde des Tages startete mit einigen Problemen, denn
offensichtlich hatte entweder wieder der entsprechende Schiedsrichter
nicht aufgepasst oder das Programm funktionierte nicht richtig,
jedenfalls war ein Spieler, der eigentlich aus dem Turnier schon
ausscheiden wollte, in den Paarungen für die letzte Runde noch
aufgeführt. Ausserdem waren zwei Ergebnisse falschherum eingetragen
worden, so dass vier Spieler die falsche Anzahl von Matchpunkten
hatten. Im Ende wurden dann einmal komplett neue Paarungen gemacht,
denn es hätte zu lange gedauert, die Probleme einzeln zu lösen.
In dieser letzten Runde bekam ich aus einem mir unerfindlichen Grund
diverse Fragen über Electrolyze. Zieht man eine Karte, wenn nur noch
eines von zwei Zielen legal ist, wenn Electrolyze verrechnet werden
soll? Zieht man eine Karte, wenn keines der Ziele mehr vorhanden ist?
Kann man mit einem Electrolyze drei Ziele ansagen und nur zwei von
ihnen Schaden zuweisen?
Ausserdem rief mich noch Spieler J an den Tisch und meinte, er habe
vergessen, für seinen Harrier Griffin im Versorgungssegment eine
Kreatur zu tappen. Er fügte sofort hinzu, dass er wisse, dass das
eigentlich nur ein Warning sei, er aber dafür schon vor zwei Runden ein
Warning bekommen habe und jetzt wohl ein Game Loss fällig sei. Wie
Recht er hatte! Ich dankte ihm dafür, dass er so ehrlich gewesen sei
und sich selbst angezeigt habe, aber erklärte ihm, dass auch seine
Ehrlichkeit nichts an den Penalty Guidelines ändern würde. Allerdings
sagte ich ihm auch, dass diese Ehrlichkeit ihn andererseits davor
bewahren würde, eine Disqualifikation zu bekommen für den Fall, dass es
etwas verschwiegen hätte. Er nahm das Game Loss dann auch mit
Gelassenheit hin und gewann das Match letztendlich 2-1.
Das war das letzte Ruling, was ich an diesem Tag machte. Und das war
auch gut so, denn mittlerweile schmerzten meine Füße auch reichlich,
und ich hatte HUNGER!
Der Tag endete mit einem Abschlusstreffen aller Schiedsrichter, auf
dem der Head Judge von anderen interessanten Situationen des Tages
erzählte, unter anderem von der Disqualifikation von Olivier Ruel (Ich
werde mich darüber nicht auslassen, alles darüber könnt Ihr in der
offiziellen Coverage sowie auf diversen anderen Internetseiten
nachlesen).
Danach ging ich noch mit drei anderen Schiedsrichtern in der Stadt essen und gegen halb zwei endlich ins Bett.
Sonntag
Der Sonntag begann wieder reichlich früh mit einem Meeting, in dem
wir unsere neuen Aufgaben für den zweiten Tag bekamen und für dieses
Turnier klargestellt wurde, wie mit vergessenem Recover und Cumulative
Upkeep umgegangen werden sollte: Vergißt ein Spieler, Recover oder
CumUp zu zahlen und wird das erst bemerkt, nachdem schon mehrere
weitere Spielaktionen passiert sind , bleiben die Karten, wo sie sind
und werden nicht geopfert bzw. entfernt. Das hat sicherlich Nachteile,
so zum Beispiel, dass ein Spieler so einen guten Anlass hat zu
schummeln und "aus Versehen" die Trigger vergißt. Andererseits
verhindert es, dass der Gegner "aus Versehen" übersieht, dass jemand
das vergessen hat und später darauf aufmerksam macht und einen Game
Loss fordert. Auf dem Grand Prix St. Louis, der gleichzeitig mit Malmö
stattfand, wurde dies jedoch genau andersherum behandelt - dort wurde
die betreffende Karte geopfert, wenn ihr CumUp nicht bezahlt wurde.
Alle hoffen also auf eine definitive Klärung dieser Frage in näherer
Zukunft.
Ich wurde für den Sonntag ins Team Paper eingeteilt - Ergebniszettel
zuschneiden und verteilen sowie Pairings aushängen waren also die
Aufgaben des Tages.
Im ersten Coldsnap-Draft des Tages gab es keine Probleme, jedoch gleich
danach: irgendwie hatte der Computer es geschafft, die Spieler so an
die Tische für den Deckbau zu setzen, dass jeder entweder neben oder
jemandem gegenüber saß, der im gleichen Draftpod war. Nicht gerade gut,
wenn man seinem zukünftigen Gegner beim Deckbau zugucken kann. Also
wurden die Spieler neu auf die Tische verteilt und der Deckbau konnte
losgehen. Als die ersten Spieler ihr Draftdeck auf den ausgegebenen
Decklisten registrieren wollten, tauchten die ersten Fragen auf: Die
Coldsnap-Deckliste hat, wie alle anderen Decklisten auch, für jede
Karte zwei Spalten: In die eine trägt der Spieler die Anzahl der
tatsächlich gespielten Karten ein, in die andere die komplette Anzahl
der Karten, die er gedraftet hat, auch die, die er letztendlich nicht
spielt. Für die Verschneiten Länder aus Coldsnap gibt es allerdings nur
eine Spalte, und die Spieler fragten sich nun, wie sie die Länder
registrieren sollten, die sie zwar gedraftet hatten, sie aber nicht
spielten. Eine Durchsage von Lubos später war das Problem allerdings
auch gelöst und die Spieler trugen diese Länder einfach neben den
vorhandenen Spalten ein.
Vor der ersten Runde fragte mich ein Spieler, was passiere, wenn er
mit Krovikan Whispers eine Kreatur übernimmt und dann Brooding Saurian
spielt. Tatsächlich bekommt der Spieler dann die Kontrolle über die
übernommene Kreatur zurück, und die Whispers sind nutzlos.
Während des zweiten Tages stellte sich heraus, dass zu den Side
Events mehr Spieler auftauchten als erwartet, und so wurden aus dem
Main Event immer mehr Schiedsrichter abgezogen, so dass wir am Ende mit
nur drei oder vier Schiedsrichtern zwischen den verbliebenen Spielern
unterwegs waren, was die Situation nicht gerade stressfreier machte.
Ich sitze am Tisch von Spieler L, als dieser einen Krovikan
Scoundrel mit dem Mana aus zwei Wäldern bezahlt. Ich unterbreche ihn
und gebe ihm ein Warning dafür und er fragt, ob das wirklich nötig sei.
Etwas verwundert antworte ich, dass es allerdings nötig sei, dass er
aber gerne den Head Judge anrufen könne, wenn er das wolle - er wollte
aber nicht, wahrscheinlich hatte er eingesehen, dass er mit dem Appeal
wohl kaum Chancen auf Erfolg haben würde.
Während der letzten paar Runden gab es kaum noch erzählenswerte Situationen, ausser dieser:
In Runde 14 beobachte ich das Match zwischen M und N, während M
angreift mit einem 4/4-Aurochsen und N mit einer 1/3 Spinne und einem
Orcish Bloodpainter blockt. Schaden geht auf den Stapel, N opfert die
Spinne mit dem Bloodpainter und sagt "one to you". M und N notieren den
Schadenspunkt und M legt den Aurochsen in den Friedhof. Erst zwei Züge
später bemerkt einer der Zuschauer (es war ein Match und den Einzug in
die Top8), dass der Aurochse doch gar nicht stirbt, wenn N auf M und
nicht auf den Aurochsen schießt. M hatte wohl beim Angriff eingeplant,
dass der Aurochse stirbt und überhaupt nicht realisiert, dass N
unerwartet nicht den Aurochsen tötete. N wiederum hatte wohl eher aus
Reflex "one to you" gesagt. Wie auch immer, mein Ruling war konsistent
mit anderem am Vortag: Der Aurochse blieb im Friedhof, denn zu viele
Entscheidungen im Spiel waren schon gefallen, um alles wieder
zurückzudrehen. der Head Judge war damit auch einverstanden und das
Match ging normal weiter.
In den Top 8 wurde ich eingeteilt, eines der Viertelfinale als Table
Judge zu betreuen, allerdings war mein Viertelfinale das mit Abstand
kürzeste, und Vasilis Fatouros gewann in nur 15 Minuten 2-0 gegen André
Coimbra.
Damit war der Tag für mich beendet. Die nächste Zeit verbrachte ich mit
anderen Schiedsrichtern in Zweiergesprächen, in denen wir uns
gegenseitig Feedback gaben. Am Ende des Tages spielte ich im Hotel noch
einen Coldsnap-Draft mit einigen finnischen Spielern, aus dem ich
leider 0-1 ausschied. Zurück im Hotelzimmer konnte ich diese Nacht
deutlich besser schlafen, denn der Nachtclub hatte am Sonntag deutlich
weniger Besucher.
Am Montagmorgen holten mich meine Freunde um halb zwölf am Hotel ab
und wir fuhren nach Trelleborg zurück zur Fähre. Auf der Fähre spielten
wir dann zu fünft noch einen weiteren Booster Draft. Gegen acht Uhr
abends war ich zu Hause und damit war der Grand Prix Malmö für mich
beendet. Ich hatte ein interessantes, wenn auch anstrengendes
Wochenende mit reichlich spannenden Situationen und vielen Gesprächen
mit anderen Schiedsrichtern, die mir viele Anstöße gegeben haben, wie
ich mich als Schiedsrichter noch weiterentwickeln kann. Ich hoffe, der
Bericht hat mal wieder ansprechende und spannende Einblicke in die
Erlebnisse eines Schiedsrichters geliefert und sage "auf Wiedersehen"
bis zum Bericht der Deutschen und Schweizer Meisterschaften im August /
September!
Geschrieben von the real paluschke